Ein bemalter Tonkrug mit sonnengelb blühenden Ginsterzweigen und anderen Feldblumen steht neben einer Emailkanne mit Deckel auf einem blütenweißen Tischtuch. Doch irgendetwas irritiert an diesem scheinbar idyllischen, schlichten Arrangement des Malers Franz Radziwill. Schauen wir genauer hin.
Von links und rechts schieben sich dunkel verschattete Partien ins Bild und engen den Bildraum auf beunruhigende Weise ein: Links zeichnet sich ein dunkler Schrank ab, von dem wir eigenartigerweise nur die Rückfront sehen. An seiner Seitenkante sind die geschnitzten Verzierungen der Vorderfront erkennbar. Rechts im Bild versinkt die von einem Vorhang abgeschirmte Raumecke völlig in undurchdringlichem Dunkel. Nicht eindeutig identifizierbar ist auch das im Vordergrund angeschnittene, grünliche Gebilde - vielleicht ein Teil einer Stuhllehne. Die Hinterkante des Tisches hingegen verschwimmt gänzlich im gleißenden weißen Licht, das aus unbekannter Quelle in den Raum fällt. Dr. Lena Nievers:
"Durch diesen sehr hellen, weißen, schon fast strahlend weißen Hintergrund sieht es so aus, als wäre da beinahe ein Riss im Raum. Als würde sich hinter dem Tisch der Raum öffnen in ein weißes Nichts - und dieser Riss, eine Öffnung mitten im Bild in eine andere räumliche Sphäre, ist ein Motiv, das immer wieder auftaucht auch in seinen späteren Bildern."
In den späten Landschaften Radziwills tritt das Übersinnliche, Rätselhafte und Transzendentale oft in Form von eigenartigen Flugkörpern, Planeten oder Augen am Himmel in Erscheinung. In diesem Stillleben hingegen manifestiert es sich auf unterschwellige und diffuse Weise mitten in der alltäglichen, häuslichen Sphäre.