Stifter

Henri Nannen (1913-1996)

Die Kunsthalle in Emden ist untrennbar mit dem Namen Nannen verbunden. Henri Nannen wurde 1913 als Sohn eines Polizeibeamten in Emden geboren und besuchte hier das humanistische Gymnasium.
Es folgten eine einjährige Lehre zum Buchhändler, dann ein Studium der Kunstgeschichte an der Münchner Universität. In den 30er Jahren begann er mit der journalistischen Arbeit. Nach dem Krieg, den Nannen als Leutnant der Reserve bei der Luftwaffe beendete, setzte er seine journalistische Tätigkeit fort: die „Hannnoverschen Neuesten Nachrichten”, die Tageszeitung „Abendpost”, die Jugendzeitschrift „Zickzack” markierten den Weg, der in der Gründung des Magazins „Stern” gipfelte. Die erste Ausgabe erschien am 1. August 1948.

In den 33 Jahren als Chefredakteur machte Nannen den „Stern” zum größten Magazin Deutschlands, zeitweise sogar der Welt. In seinem Nachruf kennzeichnet Gerd Schulte-Hillen Henri Nannen mit den Worten „Ein Berserker, ein Mensch voller Lebensfreude und Tatendrang, ein Genießer und Charmeur, ein Vollblutjournalist, ein Chefredakteur und Sklaventreiber, ein Mensch!” Bis 1980 blieb Nannen an der Spitze des Blattes. Während all dieser Jahre sammelte er weiterhin Kunst und trug eine sehr persönliche Kollektion mit Werken der Klassischen Moderne zusammen. Dabei folgte er nicht einem Konzept, sondern einzig der Leidenschaft und Liebe zur Kunst. Er sagte dazu: „Ich habe immer nur gesammelt, was Lust in mir erweckt hat – oder, was mich bis unter die Haut schmerzte – was mich freute, aber auch wütend machte. Wie könnte Lust entstehen ohne den Rausch der Farben, wie könnte etwas Gefühls- und Denkanstöße vermitteln, was nicht auch ´anstößig´ ist?”

Henri Nannen und seine spätere Ehefrau Eske haben den Bau des Museums von Anfang an gemeinsam betrieben. Henri Nannen stiftete nicht nur seine Kunstsammlung, sondern baute mit ausdrücklicher  Zustimmung seiner Familie unter Einsatz seines gesamten Vermögens und mit der Hilfe vieler Spender und Förderer ein Museum in der gemeinsamen Heimatstadt.  Eske Nannen ist seither nicht nur als Geschäftsführerin der Kunsthalle tätig, sondern kümmert sich auch geschäftsführend um den Kunstverein Ludolf Backhuysen-Gesellschaft, der später mit den Freunden der Kunsthalle e.V. fusionierte, um die Malschule und um den Museums-Shop. Nannen wurde für seine Verdienste um das kulturelle Leben in seiner Heimat mehrfach ausgezeichnet: mit der Ehrenbürgerschaft der Stadt Emden, mit dem Niedersachsen-Preis, dem Großen Bundesverdienstkreuz und mit dem Maecenas-Preis des Arbeitskreises selbständiger Kulturinstitute. Henri Nannen starb am 13. Oktober 1996.

Lebensdaten
geboren: 25.12.1913
Ort: Emden
verstorben: 13.10.1996
Ort: Hannover

Eske Nannen (*1942)

Die gebürtige Emderin Eske Nannen war Henri Nannen von Kindheit an durch eine enge familiäre Freundschaft verbunden. Nach dem Abschluss seiner journalistischen Karriere fand Nannen in ihr eine Gleichgesinnte, die seine Kunstbegeisterung teilte und das erforderliche kaufmännische Wissen sowie das Organisations-Talent mitbrachte, um die gemeinsame Heimatstadt Emden für die Kunst zu gewinnen. Der Erfolg erster Projekte wie die Gründung der Malschule für Kinder und Jugendliche und kurz darauf des Kunstvereins Ludolf Backhuysen-Gesellschaft ließen die Idee von der Kunsthalle Emden reifen, die 1986 als lebendige Begegnungsstätte zwischen Bürgern und Bildern Realität wurde.

Mit der Eröffnung des Erweiterungsbaus am 2.Oktober 2000, drei Jahre nach dem Tod Henri Nannens, durch Bundeskanzler Gerhard Schröder begann für die Kunsthalle eine neue Zeitrechnung. Die Realisierung dieses 17 Millionen DM-Projektes wäre ohne Eske Nannen undenkbar gewesen, ebenso wie der 2007 abgeschlossene vierte Bauabschnitt mit einem Kostenvolumen von ca. 8 Mio Euro. Eske Nannen genießt insbesondere als einfallsreiche Fundraiserin und als Verfechterin von kultureller Bildung von Kindern und Jugendlichen große Anerkennung.

Im Jahr 2003 war Eske Nannen Mitbegründerin der Jugend-Bildungs-Kultur-Initiative „Kinder zum Olymp. Neben vielen weiteren Ehrungen wurde Eske Nannen im Dezember 2006 mit der Landesmedaille des Landes Niedersachsen ausgezeichnet; im Frühjahr 2008 erhielt sie den Deutschen Fundraising-Preis. Sie ist unter anderem Mitglied im Stiftungsrat der Berlinischen Galerie, in den Kuratorien der Ibach-Denk-mal-Stiftung (Bamberg), der Fritz-Winter-Stiftung (München), der Stiftung Internationaler Deutscher Kunst (ID Kunst), der Hypo-Kulturstiftung (München), der Alanus-Hochschule (Alfter) und des Museums Schloss Derneburg gGmbH. Als Jury-Mitglied wirkt sie beispielsweise bei der Vergabe des Niedersächsischen Staatspreises (Hannover), beim Wettbewerb ‚Jugend creativ’ des Bundesverbandes deutscher Volks- und Raiffeisenbanken (Berlin), bei der Vergabe des Museumspreises der Niedersächsischen Sparkassenstiftung (Hannover) sowie bei der Verleihung des Nord-West-Awards (Bremen) mit. Darüber hinaus hatte sie einen Sitz im Hochschulrat der Carl-von-Ossietzky-Universität in Oldenburg und im Herausgeber-Beirat des KiKuMa (Kinderkunstmagazin) des Lübbe-Bastei-Verlages.

Lebensdaten
Geburtsdatum: 4.1.1942 als Eske Nagel
Geburtsort: Emden

Otto van de Loo (1924-2015)

Otto van de Loo machte im Jahr 1997 eine großzügige Schenkung von rund 200 Werken von Künstlern des Informel, der Gruppen CoBrA und Spur sowie herausragender Einzelgänger aus den expressiv-figurativen Strömungen des 20. Jahrhunderts an die Kunsthalle Emden. Damit gab er den entscheidenden Anstoß zur umfangreichen baulichen Erweiterung der Kunsthalle (Eröffnung im Jahr 2000).
Der legendäre Galerist und Kunstförderer hatte das Ehepaar Nannen Anfang der 90er Jahre kennen gelernt. Die leidenschaftlichen Kunstliebhaber fanden in ihrem idealistischen Einsatz für die Kultur viele Gemeinsamkeiten. Der 1924 in Witten an der Ruhr geborene van de Loo eröffnete 1957 eine Galerie für avantgardistische Kunst in München. Er vertrat nicht nur das deutsche Informel sondern auch aktuelle internationale Strömungen, zu damaliger Zeit eine Seltenheit. Binnen kurzer Zeit machte sich Otto van de Loo mit seinem Programm und seiner kritischen Haltung einen Namen als eigenwilliger, mutiger und kämpferischer Galerist. Schon 1963 wurde er als einziger deutscher Vertreter zum „Premier Salon international de Galeries Pilotes“ nach Lausanne eingeladen. Zu den von ihm vertretenen Künstlern gehörten früh beispielsweise Henri Michaux, Antoni Tàpies und Antonio Saura sowie vor allem der Däne Asger Jorn, mit dem ihn eine lebenslange intensive Freundschaft verband. Herausragende Werke der Galerie-Künstler erwarb van de Loo für seine private Sammlung. Die Schenkung van de Loo bildet somit eine willkommene Ergänzung und Fortführung der Sammlung Nannen mit ihrem Schwerpunkt des deutschen Expressionismus in die Jahrzehnte nach 1945.

Eine weitere Parallele zu den Intentionen des Ehepaars Nannens war das Anliegen Otto van de Loos, Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, sich unter Anleitung von Künstlern selbst gestalterisch tätig zu, um ihre schöpferischen Fähigkeiten zu wecken und zu stärken. Bereits 1970 widmete er ein Teil seines Galeriehauses dem berühmt gewordenen „Kinderforum“. 1997 schloss die Galerie Otto van de Loo nach 40 Jahren und mehr als 250 Ausstellungen. Seit 1998 betreibt seine Tochter Marie-José van de Loo eine Galerie unter eigenem Namen, in der sie das Programm um jüngere Positionen erweitert.

Neben der Schenkung an die Kunsthalle Emden hat Otto van de Loo in den 90er Jahren Teile seiner Sammlung an verschiedene Museen übergeben, so etwa 55 bedeutende Werke an die Berliner Nationalgalerie 1992. In den Folgejahren schlossen sich mehrfache Ehrungen an. 1999 würdigte der ArtCologne-Preis sein verdienstvolles Lebenswerk als Galerist und Kunstvermittler.

Lebensdaten
geboren:
9. März 1924
Ort: Witten (Ruhr)
verstorben: 19. April 2015
Ort: München

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