Franz Radziwill hat zu allen Zeiten seines Schaffens Stillleben gemalt. Sie machen fast ein Drittelseines Werkes aus und zeigen meist Gegenstände aus seinem eigenen Hausstand in Dangast. Dieses "Stillleben mit Fuchsie" jedoch ist ungewöhnlich innerhalb seines Oeuvres. Dr. Lena Nievers verrät, warum:
"Ungewöhnlich ist an dieser Arbeit, dass es sich um ein Fensterbild handelt. Das heißt, man hat das Stillleben, aber andererseits auch den Ausblick nach draußen. (...) weiter ab 1:07 Das Stillleben zeigt eigentlich nur zwei Gegenstände, die blühende Fuchsie und dahinter ein geschlossenes Buch (...) weiter ab 2:00Das Fenster gibt den Blick frei auf eine Landschaft, die beinahe einem niederländischen Gemälde aus dem 17. Jahrhundert entnommen sein könnte."
Die ländliche Szenerie erinnert an Bilder von Jan van Goyen oder Jacob van Ruisdael.
"Die Landschaft - idyllisch, wie sie ist und auch wieder eindeutig komponiert, wie sie ist, mit dem Weg, der in die Tiefe des Raumes führt - sieht eigentlich aus wie ein Bild im Bild. Und wenn man soweit ist gedanklich, dass man diese Landschaft als Bild sieht, also als künstlich, dann wird auch diese ganze Idylle in Frage gestellt."
M1:
Die Landschaft erscheint wie ein Zitat aus einer anderen, heileren Welt. Dazu passen auch die im Bild versteckten traditionellen Vanitassymbole - etwa die abgefallene Blüte im Vordergrund. Auch das Buch galt in der niederländischen Malerei als Symbol der Vergänglichkeit. An zentraler Stelle hat Franz Radziwill seine Signatur und das Entstehungsjahr 1938 ins Bild gesetzt: genau zwischen der "modernen" Topfpflanze und dem historisierenden Landschaftsausblick - als wolle er sich bewusst zwischen Vergangenheit und Gegenwart verorten.