Es ist Winter: Fünf Boote liegen auf einer beschneiten Landzunge, die sich in raumgreifendem Schwung weit ins graue Meer hinauszieht. Kontrastreiche Farbstreifen in Rot, Gelb und Schwarz verleihen der Aquarellkomposition Kühnheit und Geschlossenheit. Diese reinen Farben und die schwungvoll vereinfachten Formen der Landschaft zeugen vom Einfluss der Brücke-Expressionisten, insbesondere von Karl Schmidt-Rottluff, auf den jungen Franz Radziwill. Die Boote hingegen hat der in der norddeutschen Küstenregion aufgewachsene Maler mit realistischem Kennerblick wirklichkeitsgetreu wiedergegeben. Katharina Henkel erläutert die Malweise:
"Was ich spannend finde, ist, dass er diese weiße Fläche unbemalt gelassen hat, also er hat nicht etwa ein Deckweiß auf diese Landzunge gelegt, sondern es ist wirklich das reine Papier mit der ihm eigenen Struktur, auf dem diese Schiffe liegen. (...)
Was auch sehr schön zu beobachten ist, wenn man näher herantritt, ist, dass Radziwill hier die Komposition (...) mit Tusche vorgezeichnet hat, wenn man aber genau hinschaut, sieht man, dass nicht alle schwarzen Striche wirklich im Vorhinein, also vor der Kolorierung mit Aquarell, gezogen wurden, denn manchmal liegt die Farbe, wie etwa hier bei dem Rot, über dem schwarzen Strich, teilweise liegt aber auch der schwarze Tuschestrich über der Aquarellfarbe. Also es gab eine grobe Skizze, die den Bildaufbau festgelegt hat, dann wurde koloriert und dann wurden zum Teil die Details aber noch mal in Tusche ergänzt oder nachgezogen. Das finde ich, ist interessant, dass man da einen ganz schönen Einblick in die Arbeits- oder Vorgehensweise Radziwills bekommt."
Nach diesem Aquarell hat der Maler 1922 auch ein großformatiges Ölgemälde ausgeführt. Dabei steigerte er die winterliche Stimmung der Szenerie noch stärker ins Düstere, ja Bedrohliche.