Weit aufgerissene Augen starren uns entgegen. Breite Pinselstriche verfremden das schwarz-weiße Fotoporträt und geben ihm einen wilden, fast animalischen Ausdruck. Die gebogenen schwarzen Linien erinnern an die gesträubten Barthaare einer sprungbereiten Raubkatze. Wie eine Löwenmähne umrahmt struppiges schwarzes Haar das Gesicht des Mannes. Bunte Farbstriche auf den Wangen lassen an eine Indianerkriegsbemalung denken. Die mit Ölfarbe auf die glatte Fotooberfläche gesetzte Malerei liegt wie eine Maske über dem fotografierten Gesicht: Sie verfremdet seine Züge, verzerrt sie und interpretiert die Persönlichkeit des Dargestellten neu.
Der Mann hinter der Maske ist der Künstler Arnulf Rainer selbst. Er schlüpfte hier, wie der Titel verrät, in die Rolle des "Scaramouche", also einer Figur der italienischen Commedia del Arte. Der "Scaramuccia", so sein ursprünglicher Name, ist ein Abenteurer und Aufschneider, der ganz in schwarz mit spanischer Tracht und Augenmaske auftritt. Er will Angst und Schrecken verbreiten - und löst beim Publikum Gelächter aus. Vielleicht ist auch ein Stück Selbstironie im Spiel, wenn der Österreicher Arnulf Rainer sich hier in der Rolle des Bürgerschreck inszeniert.
Der Künstler begann in den späten 1960er Jahren, sich in Fotoautomaten am Bahnhof abzulichten, wobei er sein Gesicht zu immer neuen Grimassen verzerrte. Die großformatig abgezogenen Fotografien übermalte er, wie hier, mit Ölfarbe. Seinen spontan-expressiven Arbeitsprozess schilderte der Künstler so:
"Wenn ich zeichne, bin ich erregt, spreche mit mir selbst, bin voller Wut und Zorn (wie es Betrunkenen ergeht). Ich hasse die Welt, beschimpfe viele, voller Ungenügen auch mit mir selbst. Kritisch, mit Feindseligkeit gegen alles, gelingt es mir zu korrigieren und zu übermalen."*
* zit. nach Aufsatz Kat Rainer, S. 56 (Kopie)