Helmut Riegers Gemälde versetzt uns in die dunkle, geheimnisvolle Welt des Dschungels. Eine magische Aura wie von afrikanischen Stammesritualen geht von diesem Bild aus. Leuchtend gelb blitzt das gefleckte Raubtierfell des Leoparden auf. Maskenhafte Augenpaare blicken aus stark stilisierten Dreiecksgesichtern. Dunkelhäutige Buschjäger und ein Zebra zeichnen sich im Gefüge der breiten, schwarzen Balken ab. Doch wer ist hier Jäger, wer Gejagter? Die Rollenverteilung zwischen Täter und Opfer scheint keineswegs eindeutig: Riegers kraftvoll verzahnte Bildregie verspannt die beiden Pole seiner Bilderzählung zu einem untrennbaren Miteinander. Die schwarzen Balken verankern die gedrängte Figurenkomposition auf der Fläche des Bildes. Es wirkt ausdrucksstark und zugleich dekorativ - wie ein afrikanischer Bildteppich oder wie die Schnitzarbeiten außereuropäischer Völker. In vielen Weltkulturen existiert die in Europa übliche Trennung zwischen figürlichem Bild und dekorativem Ornament nicht.
Helmut Rieger steigerte die innerbildliche Spannung in seinem Gemälde, indem er die Grundfarben Rot, Gelb, Blau unvermischt einsetzte. Durch die breiten, schwarzen Partien kommen die Töne noch stärker zum Leuchten. Diese kontrastreiche, kraftvolle Farbigkeit ist charakteristisch für Riegers reifes Werk. Seine Bilder erzählen uralte Menschheitsgeschichten - von Leben und Tod, vom ewigen Kampf des Daseins, von Eros und Tod. Oft greift Rieger mythische Stoffe auf: etwa das Motiv des Drachentöters, Jagdszenen und das christliche Totentanzthema. Der 1931 geborene Künstler gehörte in den 60er Jahren zur Münchner Avantgardeszene um die Gruppe "SPUR" und entwickelte später - mit Werken wie diesem - einen ganz eigenständigen künstlerischen Ansatz.