Der deutsche Maler K. R. H. Sonderborg zählt zu den wichtigsten Persönlichkeiten der gestisch-abstrakten Malerei nach dem Zweiten Weltkrieg. Geboren wurde er in dem dänischen Ort Sonderborg, von dem er auch seinen Künstlernamen ableitete. Entscheidend geprägt hat ihn jedoch die Hafenstadt Hamburg. Katharina Henkel:
"Sonderborg ist in Hamburg (...) aufgewachsen - und ich finde, das sieht man diesem Bild an! Es hat etwas extrem Technisches, und das ist ein Phänomen, dass sich durch Sonderborgs Oeuvre immer wieder zieht. Technisch insofern, als dass er mit der Hafensituation in Hamburg regelmäßig konfrontiert war, also er hat sich dort gerne herumgetrieben als Kind und diese Begeisterung für die verschiedenen Maschinen, die es dort gab, die spiegelt sich in seinen Bildern wieder."
Technische Strukturen wie Pontons, Schiffe und Kräne, Bahngleise, Treppen und Gitter setzte Sonderborg in abstrakte Malgesten um. Das unterscheidet ihn grundsätzlich von anderen Vertretern der gestisch-expressiven Malerei der 1950er Jahre wie Pierre Soulages oder Hans Hartung: Sonderborgs abstrakte Werke reagieren auf Wahrnehmungsimpulse aus der äußeren Wirklichkeit.
Der Malprozess selbst war von großer Dynamik, wie man diesem frühen Werk von 1958 deutlich ansieht. Sonderborg experimentierte mit den unterschiedlichsten Malwerkzeugen und Materialien: Er trug die Farbe mit dem Spachtel auf, agierte mit Scheibenwischern oder zerkratzte die Bildoberfläche mit Rasierklingen. Ungewöhnlich ist auch der Bildträger:
Sonderborg arbeitete bei diesem Werk mit schnell trocknender Eitemperafarbe auf einer mit Silberionen beschichteten, lichtempfindlichen Fotoleinwand, die - ähnlich wie Fotopapier - auf die Lichteinwirkung reagierte. Das blitzschnell realisierte Werk ist ein Resultat aus Zufall, Intuition und gestischer Präzision.