Hier lassen sich zwei Menschen im wahrsten Sinne des Wortes einmal so richtig entspannt hängen: Nackt, wie Gott sie schuf, fläzen Mutter und Kind in einer zwischen zwei Bäumen aufgehängten Hängematte unter freiem Himmel. Hermann Max Pechstein hat in dem 1919 entstandenen Ölgemälde vermutlich seine Frau Lotte und den 1913 geborenen Sohn Frank wiedergegeben, vielleicht während eines Sommeraufenthalts in Nidden auf der Kurischen Nehrung. Faszinierend ist dabei die gesteigerte Strahlkraft der Farben: das sonnige Gelb lässt uns unmittelbar die Wärme des Sommertages spüren. Das saftige Grün bettet die Körper wie Blüten oder Früchte in die Natur ein. Gänzlich unbefangen zeigen sie sich in ihrer Nacktheit. Nichts kann die zeitlose Idylle stören: die harmonische Einheit von Mutter und Kind inmitten der Natur.
Die Regeln der Anatomie sind dem Maler Max Pechstein, der in den Jahren vor dem Ersten Weltkrieg zur Künstlergemeinschaft "Brücke" gehörte, dabei gänzlich gleichgültig: Achten Sie einmal darauf, wie das hintere, linke Bein der Frau wiedergegeben ist: Es biegt sich durch als seien die Knochen aus Gummi. Innerhalb der Bildlogik jedoch "stimmt" die Figur: Denn erst so ergibt sich das ungemein suggestive Liegemotiv, das "Abhängen" in der Hängematte, die - kompositorisch - in den beiden oberen Ecken des Bildes verankert ist, wie die "echte" Hängematte zwischen zwei Bäumen.
Sicher spiegelt sich in diesem Gemälde auch die Erinnerung des Künstlers an eine abenteuerliche Reise in die Südsee, die er einige Jahre zuvor unternommen hatte - inspiriert von dem berühmten Vorbild des französischen Malers Paul Gauguin.
Dieser war eine Generation zuvor auf der Suche nach seinem persönlichen Paradies in die Südsee übergesiedelt.
Galerie Gurlitt, Berlin, ####–1923 in Kommission; Eigentum Wolfgang Gurlitts, 1923–mindestens 1929 [1]; Besitz und Nachlass des Künstlers, ####–#### [2]; Privatsammlung, Berlin, ####–ca. 1984 [3]; Privatsammlung, Brühl, ca. 1984–1985 [4]; Kunsthaus Lempertz, Köln, 1985 [5]; Privatsammlung Henri Nannen, Hamburg/Emden, 1985–08.11.1995 [6]; Eske Nannen, Emden, als Schenkung von Henri Nannen am 08.11.1995; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri und Eske Nannen, als Zustiftung von Eske Nannen, 08.11.1995 [7]
[1] Die Angaben entstammen dem Werkverzeichnis der Gemälde Max Pechsteins (Soika, Aya; Max Pechstein Urheberrechtsgemeinschaft (Hg.): Max Pechstein. Das Werkverzeichnis der Ölgemälde. Band II, 1919–1954, München 2011, Nr. 1919/100, S. 181). Als Ergebnis eines Rechtsstreits zwischen Pechstein und Gurlitt wurde das Gemälde 1923 als »unverkäufliches Privat-Eigentum« Gurlitt zugesprochen.
[2] Wie und wann das Gemälde wieder in den Besitz Pechsteins gelangte, ist bislang unbekannt (vgl. Soika/ Urheberrechtsgemeinschaft 2011, Bd. II, S. 181, Nr. 1919/100). Die Gurlitt-Unterlagen existieren nicht mehr (Korrespondenz mit Aya Soika, 2022).
[3]–[6] Bestätigungsschreiben Henri Nannens an den Privatsammler in Brühl (1985); Erwerb via Auktionshaus Lempertz; interne Dokumente.
[7] Schenkungsvertrag und notariell beglaubigte »Bestätigung des Vollzuges der Zustiftung« durch Eske Nannen; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 lückenhaft und nicht zweifelsfrei unbedenklich. Weitere Nachforschungen sind geboten. Aktuell besteht kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.
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