Etwas Archaisches geht von diesem großformatigen Bild Gustav Kluges aus. Die erdigen Naturtöne - Braun und Beige, gebrochenes Violett und Goldocker - wirken wie aus Lehm, Schlamm und farbigen Erden gemacht. Die pastose Farbmaterie schichtet sich zu einer schrundigen, fast reliefhaften Bildoberfläche auf.
Vor einer Sonnenscheibe, die zugleich an eine Urhöhle erinnert, begegnen sich nackte, braune und hellhäutige Gestalten. Es sind magere Menschenwesen mit übergroßen Köpfen und dünnen Gliedmaßen - kindlich und uralt zugleich. Zwei Kontrahentengruppen treten sich wie im Reiterkampf mit hahnenkammartig aufgestellten Haaren gegenüber. Andere verharren im Hintergrund und am Rand der kreisförmig umschlossenen Szene. Wenn dies spielende Kinder sind, dann besitzt ihr Spiel den Ernst einer archetypischen Handlung. Hier werden Kräfte gemessen, Rivalitäten ausgetragen, Sieger und Besiegte ermittelt - doch nicht in blutigem Kriegsgemetzel, sondern in einer Art Schaukampf. Darauf deutet auch der Titel "Genesis eines Amphitheaters" hin: Der griechische Begriff Genesis bedeutet Ursprung oder Entstehung und steht auch für die Schöpfungsgeschichte der Bibel. In den Amphitheatern der Antike wurden Gladiatorenkämpfe ausgetragen.
In Gustav Kluges Bild wird die kreisförmige Arena - ohne Hinweis auf eine bestimmte historische Situation - zum allgemeingültigen Sinnbild für eine Welt, die von archaischem Kampf- und Konkurrenzverhalten beherrscht wird. Bestimmt aggressives Hahnenkampf-Verhalten nicht bis heute unsere Gesellschaft - bis in die Vorstandsetagen der globalisierten Konzerne hinein?
Der in Hamburg lebende Maler Gustav Kluge, der 1947 geboren wurde, ergründet in seinen Werken die psychischen Tiefenschichten der Gesellschaft. Für ihn ist ein Bild, wie er selbst einmal formulierte:
"Gespeicherte Realität, die mehr ist als ein Abbild: ein Schwerefeld, das viele mögliche Vorstellungen in sich birgt."*
*zit. aus Ausst.Kat. Kluge, Hamburg, 1997, S. 89, AGB