Vier Bäume stehen am Hang auf einer grünen Weide, die das Bild fast vollständig ausfüllt; an den Zweigen sind zarte rosa Knospen zu sehen, der Himmel strahlt in hellem Blau. Erst auf den zweiten Blick bemerkt man die Frau im türkisen Kleid am linken Bildrand, die vermutlich die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings genießt. Gegen sie scheinen die Bäume im Vordergrund übergroß zu sein. Mit viel Einfühlungsvermögen und detailreicher Naturbeobachtung stellt Otto Modersohn in Frühling das beginnende Aufleben der Natur dar.
Es sind gerade diese spezifischen Farb- und Lichterscheinungen und die damit verbundene atmosphärische Stimmung, die Otto Modersohn in der Natur beobachtet und während seiner gesamten künstlerischen Schaffenszeit festhält – von den zarten Tönen im Frühling über die strahlenden und klaren Farben des Sommers, die warme, goldbraune Färbung der Landschaft im Herbst bis hin zum kühlen, grauen Winter. Sein umfangreiches malerisches und zeichnerisches Oeuvre wurzelt im 19. Jahrhundert und steht in der Tradition der französischen Landschaftsmalerei.
Frühling ist mit großer Wahrscheinlichkeit im Allgäu entstanden, wohin Otto Modersohn seit 1927 regelmäßige Studienreisen unternahm. 1930 erwarb er dort ein Bauernhaus, in dem er sich ein Atelier einrichtete, denn die Landschaft in Süddeutschland gab ihm frische Impulse für sein Kunstschaffen.
„Das Allgäu bringt neue Anregung, neuen Aufschwung.“, notierte er 1933 in seinem Tagebuch.
Bislang unbekannte Provenienz, ####–#### [1]; Privatsammlung, Boxberg, ####–#### [2]; Bolland & Marotz, Hanseatisches Auktionshaus, Bremen, ####–April1985 [3]; Henri Nannen Kunsthandel, Hamburg/Emden, April 1985–September 1986 [4]; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri Nannen, Oktober 1986 [5]
[1] Bislang unbekannte Provenienz.
[2] Die Angabe zur Privatsammlung, Boxberg, entstammt einem Schreiben des Auktionshauses Bolland & Marotz vom 21. Januar 1987. Dem Auktionshaus Bolland & Marotz lagen 2021 aus Datenschutzgründen keine weiteren Angaben zum Zeitraum des Vorbesitzes mehr vor.
[3] & [4] Rechnung Bolland & Marotz, Hanseatisches Auktionshaus, Bremen, vom 20.04.1985.
[5] Am 01.10.1986 wurde der Henri Nannen Kunsthandel mit Kunstgegenständen von Henri Nannen als Zustiftung auf die Stiftung Henri Nannen übertragen; Stiftungsvertrag; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 lückenhaft und nicht zweifelsfrei unbedenklich. Weitere Nachforschungen sind geboten. Aktuell besteht kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.