Trotz der rauen Formensprache strahlt dieses Gemälde des Brücke-MalersKarl Schmidt-Rottluff eine stille und versunkene Stimmung aus. Ein Hauch von Melancholie liegt über der Szene. Wer sind diese beiden Frauen? Als "Freundinnen" oder auch "Schwestern" bezeichnet sie der Titel des Bildes. Doch von einer innigen Verbindung kann hier nicht die Rede sein: Jede der beiden steht für sich, isoliert und in sich verschlossen. Kein Blickkontakt verbindet die Frauen in ihren bodenlandgen Kleidern. Die linke blickt schweigend und gedankenverloren zu Boden. Liegt ein Konflikt in der Luft? Oder steht ein Abschied bevor, der sich als Trauer auf ihre Seelen legt? Vielleicht gibt uns die Landschaft einen Hinweis: Betrachten Sie einmal die beiden Wege links und rechts im Bild. Sie kommen aus unterschiedlichen Richtungen, nähern sich nur kurz an und laufen dann wieder auseinander - so wie die Lebenswege der beiden Frauen möglicherweise.
Mit kräftigen dunklen Konturen hat Karl Schmidt-Rottluff Figuren und Landschaft umrissen und grob vereinfacht ins Bild gesetzt. Diese Malweise ist charakteristisch für den 1884 geborenen Künstler, der sich nach seinem Geburtsort Rottluff bei Dresden benannte. Wie Ernst Ludwig Kirchner und Erich Heckel gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der 1905 in Dresden ins Leben gerufenen Künstlergruppe "Brücke".
Als das Gemälde "Freundinnen (Schwestern)" 1914 entstand, hatte sich die Gruppe allerdings bereits wieder getrennt. Seit 1913 gingen sie getrennte Wege - und entwickelten den expressionistischen Stil jeder auf unterschiedliche Weise weiter. Tiefglühende Farben und blockhaft-monumentale Formen prägen dabei - wie in diesem Werk - die Arbeiten Schmidt-Rottluffs.
Bislang unbekannte Provenienz, ####–#### [1]; Privatsammlung, Tokio, ####–#### [2]; Galerie Wolfgang Ketterer, München, ####–Dezember 1976 [3]; Privatsammlung Henri Nannen, Hamburg/Emden, Dezember 1976–13.10.1996 [4]; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri und Eske Nannen, Emden, als Vermächtnis Henri Nannen, 13.10.1996 [5]
[1] Bislang unbekannte Provenienz.
[2] Vgl. für diese Angabe: Will Grohmann: Karl Schmidt-Rottluff, Stuttgart 1956, S. 288, Abb. S. 260.
[3] Eine Rechnung der Galerie Wolfgang Ketterer, München, an Henri Nannen, Hamburg, konnte bisher nicht ausfindig gemacht werden. In einem Karteikartensystem, das die verschiedenen Bestände der Privatsammlung und des Kunsthandels zusammenführt, findet sich das Datum des 08.12.1976.
[4] 1976 hat Henri Nannen das Werk privat erworben; es figuriert zwar in einer Werbeannonce des Henri Nannen Kunsthandel 1982 in der Zeitschrift Weltkunst (56. Jahrgang, Nr. 18, 15. September 1982), dabei muss es gleichsam in Kommission aus der Privatsammlung Nannens gewesen sein. Das Werk ist durchgängig auf den Bestandslisten der Privatsammlung zu finden und nicht auf denjenigen des Kunsthandels.
[5] Testamentarische Verfügung von Henri Nannen vom 18. August 1993; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 lückenhaft und nicht zweifelsfrei unbedenklich. Weitere Nachforschungen sind geboten. Aktuell besteht kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.