Eine dramatische Weltuntergangsstimmung herrscht in diesem Gemälde von Franz Radziwill aus dem Jahr 1948. Grelle Hell-Dunkel-Kontraste blitzen uns entgegen. Es ist, als drohe die Welt auseinanderzubersten: Mitten im Himmel klafft ein Riss, aus dem ein riesiger orangeroter Himmelskörper hervortritt wie ein glühendes Ei oder ein gewaltiges Auge Gottes. Unterhalb davon schwebt ein schwarzer Todesengel mit ausgebreiteten Schwingen übers Land. Überall im Bild finden sich Todessymbole: Während hinten links die Schiffe in den Fluten versinken, drängen sich rechts auf dem erhöhten Küstenterrain hölzerne, von der Witterung ausgebleichte Grabkreuze unter abgestorbenen Bäumen. Die Friedhofskapelle zeigt im runden Giebelfenster einen Davidstern, der unwillkürlich an die Judenvernichtung mit Dritten Reich denken lässt. Doch Radziwills apokalyptische Szenerie ist nicht auf ein bestimmtes historisches Thema fixiert. Die Erinnerung an den erst drei Jahre zuvor zu Ende gegangenen Zweiten Weltkrieg schwingt darin mit - sowie ein grundsätzliches Gefühl von Bedrohung.
Ganz vorne rechts jedoch sitzt ein Mann auf einem an Land gezogenen Ruderboot und spielt friedlich auf der Schalmei. Mit seiner roten Kappe und dem langen Gewand wirkt er, als stamme er aus einer längst vergangenen Epoche. Gleich daneben hat Radziwill seine Signatur auf einen Findling gemeißelt. Interessant ist dabei, dass die im Bild dargestellte Landschaftsszenerie der Steilküste von Dangast ähnelt, die Radziwill schon oft in seinem Leben gemalt hatte. Seit mehr als zwei Jahrzehnten lebte er selbst dort.
Doch nun in seinem Spätwerk lädt sich die vertraute Szenerie mehr und mehr mit unheilvoller Symbolik auf. Sie wird zur Kulisse beängstigender Visionen. In der Hinwendung zum Glauben suchte der Maler geistigen Halt. Schon in den 40er Jahren hatte er sich der Bekennenden Kirche angeschlossen.