Düsenjäger donnern über bizarre Bergklippen hinweg, Raketen steigen zischend in den Himmel. Unvermittelt tauchen abstrakte Muster und Farbstrukturen inmitten der Landschaft auf. Und vorne im Bilde öffnet sich wie ein finster gähnender Schlund eine seltsame Unterweltszenerie. Aus bleichen Nebeln steigt hier - links - eine halbtransparente Stadtkulisse wie eine flüchtige, ätherische Erscheinung empor. Oder versinkt diese urbane Welt im Wasser wie die mythische Stadt Vineta in der Ostsee? Davor im Zentrum schwimmt eine seltsame rote Kugel: Mit ihrer bogenförmig angedeuteten Umlaufbahn erinnert sie an einen abgestürzten Planeten. Zugleich lässt sie an eine Raumkapsel denken, die sich gerade in der Mitte öffnet, oder an eine Billardkugel. Farbige Schleierwesen tanzen über den schwarzen Wassern.
Franz Radziwill konfrontiert uns in diesem Gemälde von 1958 mit einer phantastischen Welt, die sich jeder logischen Deutung entzieht. Die in viele Kleinstschauplätze zerstückelte Komposition wirkt wie aus Versatzstücken zusammengefügt, ohne natürliche Ordnung und Zusammenhalt. Die Szenerie erinnert mit ihren bizarren Motiven und verschachtelten Raumebenen an Bilder von Hieronymus Bosch aus dem 16. Jahrhundert. Radziwill meinte dazu:
"Ich habe von den Malern des Absurden, von Hieronymus Bosch beispielsweise, Anregungen erhalten. Aber ich hab ihnen keine Motive abgeguckt. Ich bin ein Mensch des 20. Jahrhunderts. Eine Hölle brauche ich nicht zu erfinden, wie Bosch es tat; ich erlebe sie ja rings um mich her... Es ist Wirklichkeit, was ich male."*
In Radziwills späten Werken erleben wir eine Welt, die aus den Fugen geraten scheint. Der über 60jährige Maler hatte zwei Weltkriege miterlebt. Immer kritischer sah er die rasante Entwicklung der modernen, technisierten Welt. Diese pessimistische, zivilisationskritische Grundhaltung kommt auch in diesem Gemälde zum Ausdruck. Radziwill nannte sein Bild "Die Landschaft der Technik".