Vor einem tiefschwarzen Hintergrund recken sich von links Tulpen ins Bild. Durch das monumentale Format erkennt man hier jedes Detail: die Übergänge der Farben auf den Blütenblättern, deren glatte und weiche Oberfläche, die samtigen Stängel, die fasrigen mattgrünen Laubblätter. Doch nicht alle Tulpen stehen in der Pracht ihrer Blüte. Die brasilianische Künstlerin Luzia Simons zeigt nicht nur die makellos weiße Tulpe mit ihren geschlossenen Blütenblättern, sondern auch den Verfall, das Welken, das Ablösen der Blätter vom Stängel und den Übergang von leuchtendem Orange zu stumpfem Braun. Im Bild ist dies alles für die Ewigkeit konserviert, das Blühen und das Absterben. Der zufällige Moment im kurzen Leben dieser Tulpen bleibt nun für immer bestehen – ein Stillleben also. Doch es handelt sich nicht um ein klassisches Stillleben, wie die Kuratorin der Kunsthalle Emden, Dr. Katharina Henkel, erzählt:
„Die meisten Besucher denken, dass es sich um ein Gemälde handelt, weil (...) sie sofort die Alten Meister, die alten Niederländer, die opulenten Blumenstillleben aus dem 17. Jahrhundert vor Augen haben, und sind dann immer ganz verblüfft, wenn man sagt ‚Das ist eine Fotografie’. Und sie sind noch überraschter und erstaunter, wenn ihnen erklärt wird, dass diese Werke über einen Scan entstehen, (...) dass Luzia Simons die Blumen auf einem Scanner arrangiert und dann (...) das Motiv über eine Stunde lang mindestens, je nach Größe, mittels dieses Scanners abgetastet wird.“
…so dass es sich hier also auch nicht um ein Foto im traditionellen Sinne handelt. Die mechanische Entstehung des Bildes irritiert, zumal wenn sie zu einem so unbestreitbar hochästhetischen Ergebnis führt. Mit ihren großformatigen Arrangements führt Luzia Simons das Genre des Blumenstilllebens in die Gegenwart.