Was für ein Schauspiel! Die untergehende Sonne taucht den Himmel in dramatisches Licht: Goldgelbe und orange Partien glühen über dem Horizont auf, weiter oben am Himmel bewahren die Wolken noch das letzte Blau des Tages. Unten erstreckt sich das unendliche Blau des Meeres: tief, dunkel und unergründlich. Ganz rechts in der Ferne zieht ein Dampfer seine Bahn und bläst schwarzen Rauch in den Himmel.
Wer am Meer lebt, dem sind solche Erlebnisse vertraut: Emil Nolde liebte sie und verstand sie in seinen farbglühenden Aquarellen zu äußerster Intensität zu steigern. Aber könnte diese Komposition nicht beinahe ebensogut eine gänzlich abstrakte Farbimprovisation sein? Ein malerisches Impromptu über den Zweiklang von Blau und Gelb? Betrachten Sie einmal nur die obere Hälfte des Bildes: Dies könnte ein vollgültiges gegenstandsloses Werk sein! Emil Nolde jedoch hat die Grenze zur reinen Abstraktion nie überschritten. Ein Dampfer, ein paar Wellenkämme - und schon verwandelt sich das abstrakte Farbenspiel in ein Seestück.
Doch wohl kein Maler seiner Generation hat die Aquarelltechnik so frei und experimentell genutzt wie Emil Nolde. Möchten Sie mehr über den Künstler und seinen Lebensweg erfahren? Dann drücken Sie nun die grüne Taste.
Der Künstler kam 1867 als Sohn des Bauern Nils Hansen in der Nähe von Tondern im deutsch-dänischen Grenzland zur Welt. Später benannte er sich nach seinem Geburtsort, dem Dorf Nolde. Nach einer Ausbildung zum Holzschnitzer arbeitete er als Zeichenlehrer und studierte um die Jahrhundertwende Malerei in München, Dachau und Paris. Später schloss er sich vorübergehend der Künstlergemeinschaft "Brücke" an und wurde 1909 Mitglied der Berliner Secession. Doch im Grund blieb Nolde stets ein Einzelgänger, der gerne zurückgezogen auf dem Land lebte: Bis 1915 verbrachte er die Sommermonate mit seiner Frau Ada stets auf der Insel Alsen, den Winter jedoch häufig in der Großstadt Berlin. Später ließ er sich in Utenwarf bei Tondern nieder, und erfüllte sich 1926 einen Traum: Er ließ sich nach eigenen Entwürfen sein einsam gelegenes Haus Seebüll errichten, inmitten eines Blumen bestandenen Gartens, den er selbst anlegte und sehr liebte. In der NS-Zeit verfehmt und mit Malverbot belegt, arbeitete Nolde heimlich weiter: Nun entstanden von 1938 bis 1945 seine so genannten "ungemalten Bilder" - zahlreiche kleinformatige Aquarelle von großer Ausdruckskraft und Farbintensität. 1956 starb Emil Nolde in seinem Haus in Seebüll. Es ist heute als Museum zu besichtigen.