Kaleidoskopartig überlagern sich in diesem Gemälde von Iwan L. Lubennikow Häuserfassaden, Fenster, Figuren und Fragmente von Gesichtern. Im Vordergrund erscheint schemenhaft die Silhouette eines Mannes. Dahinter schreitet marmorweiß eine weibliche Aktfigur übers Straßenpflaster. Es ist, als blicke man in die aus dem Dunkel aufsteigenden Erinnerungen, Vorstellungen und Phantasien eines Menschen. "Gemälde über die Liebe (nach Majakowski)" hat der Maler das Bild genannt. Vielleicht nimmt es Bezug auf die letzte, unerfüllte Liebe des russischen Revolutionsdichters Wladimir Majakowski: Dieser verliebte sich 1928 auf einer Parisreise unsterblich in eine junge Russin, bevor er sich - von der stalinistischen Geheimpolizei in den Tod getrieben - 1930 das Leben nahm. Doch Lubennikows Gemälde ist offen für vielfältige Assoziationen.
Henri und Eske Nannen sahen das Bild, als sie den Maler in den 80er Jahren in seinem Moskauer Atelier besuchten. Er arbeitete wie viele inoffizielle Künstler damals unter ärmlichsten Bedingungen. Eske Nannen erinnert sich:
"(...) das war in einem Keller, in großen Mietshäusern gibt es doch so Keller, die so Verschläge haben, mit Holzbrettern davor, und sodass man die Angst hatte, da laufen die Ratten und die Mäuse rum; und so am Ende eines solchen Kellers, waren wir im Atelier von Lubennikow."
Doch das "Gemälde über die Liebe" begeisterte das Sammlerpaar.
"Ich finde, das sagt auch ungeheuer viel aus. Und da muss man sich richtig rein vertiefen! (...) und man kann sich doch schon - jeder liebt oder hat geliebt - kann sich schon etwas reinsehen, vielleicht sogar auch in seine eigenen Geschichte.
(...) und ich kann nur jedem Besucher raten, sich eine ganze Weile davorzustellen und für sich zu entdecken, was ihm dieses Bild sagt."