Wie Fackeln lodern die goldgelben Pappeln am Ufer der Creuse im französischen Limousin. Ein wahres Fest der Farbe hat der Herbst hier in der Natur hervorgebracht – und der französische Maler Francis Picabia steigerte es in seinem Gemälde noch zusätzlich. Schauen Sie sich einmal an, wie entschieden er die Formen der Bäume, der Landschaft und Felsen vereinfacht und zu klar konturierten Bildelementen verfestigt hat. In diesem Bildgefüge gibt es keine weich verfließenden Übergänge, keine sanften Rundungen – wie kantige Puzzleteile fügen sich die leuchtend farbigen Elemente aneinander: gelb, rosa, blau und grün. Gewagte, ungewohnte Farbkontraste prallen hier aufeinander.
Dabei hat Picabia ein fast klassisches Landschaftsmotiv gewählt: mit Baumkulisse, einem in die Tiefe führenden Flusslauf, Wolkenhimmel und waldigem Hintergrund. Die Impressionisten hätten solche eine Ansicht - eine Generation zuvor - mit raschem Pinsel und flirrenden Tupfen als ein momentanes Erlebnis von Licht und Farbe festgehalten. Picabia jedoch verwandelt den gesehenen Natureindruck - unter dem Einfluss von Nachimpressionisten wie Paul Gauguin und den Fauves - in ein blockhaftes, beinahe abstraktes Gefüge.
Dieser eindrucksvolle Malstil markiert im Werk des aus einer kubanischen Familie stammenden Franzosen Picabia jedoch nur eine Übergangsphase.
Im Laufe seiner rasanten künstlerischen Entwicklung adaptierte er in der Kunstmetropole Paris eine Vielzahl von Strömungen wie Fauvismus, Futurismus, Kubismus und Orphismus und schloss sich dann den Dadaisten und Surrealisten an. Letzlich meinte er zynisch:
M:
"Die Kunst ist der Kult des Irrtums."
F:
Von solch provokantem Kulturpessimismus war Picabia jedoch 1909, als er dieses furiose Landschaftsgemälde schuf, noch weit entfernt.