Das Wort „Monotypie“ ist abgeleitet vom Griechischen „monos“, was so viel wie „einzig“ oder „allein“ bedeutet, und vom Lateinischen „typus“, was für „Bild“ steht. Was ist nun bei den Monotypien von Herbert Brandl dieses „einzige Bild“? Der Künstler bemalt für diese Arbeiten eine Acrylplatte mit vergleichsweise flüssigen Farben, verwischt und verreibt diese. Zudem tropft er Lösungsmittel auf die Farbe, um Zufallseffekte zu erzielen. Dann presst er ein Blatt Büttenpapier auf die Acrylplatte, wobei sich die Abfolge der Farbschichten umkehrt – was Brandl zuerst auf die Platte gemalt hat, erscheint nun nicht mehr zuunterst, sondern zuoberst. Das Ergebnis ist dabei stark von nicht steuerbaren Zufällen geprägt, wobei sich immer wieder Assoziationen von Landschaften einstellen.
Der österreichische Künstler vermeidet in seinem Werk bewusst jede Eindeutigkeit. Seine Bilder bleiben in der Schwebe. Er spielt mit unseren Erwartungen an ein Landschaftsbild, der romantischsten aller Bildgattungen. Und doch löst er sie nicht ein, sondern behauptet die Position des Malers, dem es in erster Linie um den Untergrund, den Farbauftrag, die Formen und Farben, um spontane Eingebung und das Spiel des Zufalls geht.
Herbert Brandl wird zur Gruppe der „Neuen Wilden“ gerechnet, einer in den 1980er Jahren erstmals hervorgetretenen Bewegung, die nach den kühlen, analytischen Jahren der Konzeptkunst wieder eine expressive, wilde und subjektive Malerei kultivierte. Wie die „Neuen Wilden“ arbeitet auch Herbert Brandl schnell, spontan, mit unterschiedlichen Malmitteln und -techniken: Mal spritzt er die Farbe auf die Leinwand, mal trägt er sie mit dem Pinsel auf, mal verwischt er sie mit einer Küchen-Rolle. Die Entstehung seiner Werke überlässt er der Intuition, auch ihre Bedeutung kann wechseln und er ist mehr als einverstanden damit, wenn jeder Betrachter etwas anderes in ihnen entdeckt.