
KÜNSTLER
Max Beckmann (1884 Leipzig – 1950 New York, USA)
TITEL
Kleine italienische Landschaft
DATIERUNG
1938
MATERIAL & TECHNIK
Öl auf Leinwand
SAMMLUNG
Stiftung durch Henri Nannen
Eine Landschaft wie auf einer Urlaubspostkarte! Weit dehnt sich die südliche Küste in sanftem Bogen, türkisblau schimmert das Meer, in schattigem Grün wuchert das Blattwerk von Palmen, Agaven und anderen exotischen Gewächsen. Kaum ein Mensch zeigt sich in der Mittagshitze auf der gepflegten Strandpromenade des Badeortes.
Max Beckmann und seine junge Frau Quappi liebten solche eleganten Badeorte an der Cote d´Azur oder - wie der Titel "Kleine italienische Landschaft" in diesem Fall nahelegt - an der italienischen Adria. Gemalt ist das Bild allerdings nicht vor Ort, sondern Jahre später - aus der Erinnerung: 1938 im holländischen Exil. Ein Jahr zuvor war Beckmann nach Amsterdam geflohen, da die Situation in Nazi-Deutschland für ihn immer bedrohlicher wurde.
Dieses Gemälde vermittelt trotz seiner idyllischen Szenerie sehr deutlich die gespannte und unsichere Atmosphäre seiner Entstehungssituation. Ist Ihnen aufgefallen, dass der Himmel keineswegs blau ist, sondern eigentümlich schwefelgelb? In scharfem Kontrast dazu stehen die stachlig wuchernden Pflanzen mit ihren dunklen, fleischigen Blättern und giftgelben Blüten. Die Schlagschatten auf den hellen Wegen hat Max Beckmann in violettblau gemalt. Besonders charakteristisch für seine Malerei ist auch der Einsatz des Schwarz. Es spielt in fast allen Werken Beckmanns eine große Rolle. Oft entwickelt er seine Bilder aus dem dunklen Grund heraus oder umreißt die Gegenstände - so wie hier - mit dicken, schwarzen Konturen. Dadurch leuchten die grellen Farben in einer geradezu unnatürlichen Präsenz, zugleich jedoch erhält die Szene als ganzes eine bedrohlich-düstere Grundstimmung:
Die südliche Idylle in diesem Gemälde - sie bleibt ambivalent.
Besitz des Künstlers, Amsterdam, 1938 [1]; Sammlung Ilse Leembruggen von Lieben, Den Haag, 1938–1961 [2]; Erbengemeinschaft Ilse Leembruggen von Lieben, Den Haag, 1961–spätestens 1978 [3]; Sotheby’s New York, ####–mindestens 03.11.1978 [4]; Galerie Valentien, Stuttgart, November 1978–März1979 [5]; Henri Nannen Kunsthandel, Hamburg/Emden, März 1979–September 1986 [6]; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri Nannen, Oktober 1986 [7]
[1] Unter der Überschrift »Amsterdam 1938 Frühjahr u. Sommer« im Inventar Max Beckmanns aufgeführt (Max Beckmanns »Bilderliste«, Heft II), vgl. Barbara und Erhard Göpel: Max Beckmann. Katalog der Gemälde, hrsg. von Hans Martin Erffa, Bern 1976, Abb. Nr. 498, Bd. I, S. 24, 318.
[2] Unter der Überschrift »Amsterdam 1938 Frühjahr u. Sommer« im Inventarbuch Max Beckmanns als »Amsterdam Kl. italienische Landschaft verk. an Lehmbruks im Haag« aufgeführt (»Bilderliste«, Max Beckmann Archiv). Laut Anja Tiedemann (Konzept und Redaktion des digitalen Werkverzeichnisses Max Beckmann – Catalogue Raisonné der Gemälde) trug Beckmann seine Werke in sein Inventarbuch ein, sobald diese fertiggestellt waren; der Eintrag zu van Lembruggen erscheint im Inventarbuch nicht nachträglich erfolgt zu sein. Damit kann der Verkauf für das Jahr 1938 angenommen werden (Schreiben Anja Tiedemann, 2022). Ilse Leembruggen van Lieben (in Den Haag lebende Tante von Beckmanns Schülerin Marie-Louise von Motesiczky, jüdische Sammlerin) kaufte von Beckmann in Zeiten finanzieller Not wiederholt Gemälde. Vgl. die Angabe im Werkverzeichnis von 1949 von Benno Reifenberg und Wilhelm Hausenstein: »Nr. 405 Kleine italienische Landschaft I 1938 – Besitzer: Frau Lehmbruggen, Den Haag« (Benno Reifenberg und Wilhelm Hausenstein, Max Beckmann, München 1949, S. 77, Nr. 405.).
[3] Das 1976 erschienene Werkverzeichnis führt als Besitzende die Erben der 1961 verstorbenen Ilse Leembruggen von Lieben auf. Vgl. Göpel 1976, Nr. 498, Tafel 172; sowie das digitale Werkverzeichnis (URL: beckmann-gemaelde.org/498-kleine-italienische-landschaft, zuletzt abgerufen am: 12.10.2022.)
[4] Sotheby’s New York Auktion vom 3. November 1978, Aukt.-Kat. New York, 1978, Lot 549, Kleine italienische Landschaft, 38.000 USD; das Auktionsergebnis ist dem digitalen Werkverzeichnis entnommen.
[5] Für den Ankauf des Gemäldes bei Sotheby’s liegen der Galerie Valentien keine Belege vor.
[6] Entgegen der Angabe im digitalen Werkverzeichnis, in dem ein direkter Verkauf des Gemäldes von der Galerie Valentien, Stuttgart, an die Kunsthalle Emden eingetragen ist, erfolgte der Erwerb durch den Henri Nannen Kunsthandel im März 1979, Rechnung der Galerie Valentin vom 16.03.1979; interne Bestandslisten.
[7] Am 01.10.1986 wurde der Henri Nannen Kunsthandel mit Kunstgegenständen von Henri Nannen als Zustiftung auf die Stiftung Henri Nannen übertragen; Stiftungsvertrag; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 geklärt und unbedenklich.