Würdevoll und unnahbar tritt die junge Frau aus dem Dunkel. Dr. Nils Ohlsen:
"Das Bildnis "Quappi im grünen Jumper" ist 1946 in Amsterdam gemalt worden. Max Beckmann und seine junge, zweite Frau, Mathilde Kaulbach, genannt Quappi, sind am Tag der Eröffnung der Ausstellung "Entartete Kunst" nach Amsterdam geflohen und haben dort die gesamte Zeit bis 1946 in sehr armen Verhältnissen gelebt, in einem Tabakspeicher in der Altstadt von Amsterdam. Und diese Situation, diese ungewisse, bedrohliche Situation auch, die wird in diesem Bild sehr deutlich greifbar. Quappi steht in einem Raum, den wir kaum weiter definieren können. Es sind schmutzige, dunkle Farben hinter ihr, das Fenster scheint mit einem Vorhang verschlossen zu sein...
Max Beckmann hat seine Frau sehr oft gemalt, immer in verschiedenen Rollen, also es gibt Bilder von ihr, wo sie wirklich die mondäne Dame auf einem Barhocker in einem Luxushotel ist, wo sie richtig wie eine Prinzessin dort von ihrem Mann gefeiert wird. Aber hier ist sie eher wie eine mystische Heilige sozusagen, die im Dunklen eines Tempels vielleicht steht. Sie hat diese merkwürdigen blauen Tulpen vor ihrem Körper, fast in einer Abwehrhaltung hält sie diese Blumen, es ist vielleicht die blaue Blume der Romantik hier gemeint, eine Sehnsucht nach einem anderen Ort. Die Deutschen hatten ja die Niederlande 1940 besetzt und der geflüchtete Künstler Max Beckmann, der in Deutschland verfolgt wurde, saß nun wieder in der Falle, er konnte dort nichts verkaufen, er konnte sich dort kaum bewegen, er musste sich dort mehr oder weniger verstecken.
Im selben Jahr, als das Bild entstand, gelang es Max Beckmann und seiner Frau endlich auszureisen: in die USA. Dort starb der Maler im Jahr 1950.