Die „auf dem Kopf stehenden Bilder“ gelten als Markenzeichen von Georg Baselitz. Sie fordern zu einer Betrachtung auf, die vom Inhalt losgelöst ist und die Malerei als solche in den Vordergrund rückt. Die Werkreihe entstand ab 1969 und führte zum internationalen Erfolg des Künstlers.
„Die Menschen fragen mich immer, warum bei mir alles auf den Kopf gestellt ist. Ich kann darauf eine Antwort geben, aber diese Antwort erklärt nie, was ich wirklich mache. Es geht mir darum, die Dinge in die Ferne zu rücken, zu distanzieren, mich selbst in große Distanz zu den Köpfen der Menschen zu bringen. Ich halte es für sehr wichtig, einen solchen Standpunkt zu erreichen.“
... so der Künstler. Baselitz‘ großformatige Gemälde stehen zwar in der Tradition der Abstraktion, aber nicht der völligen Gegenstandslosigkeit. Sie thematisieren die Malerei selbst als figurativ-expressive Ausdrucksform. Eine symbolische oder politische Bedeutung der dargestellten Figuren scheint auf den ersten Blick nebensächlich zu sein.
Trotzdem hat man unweigerlich den Eindruck, dass der mit losen Pinselstrichen umrissene weiße Vogel in der Bildmitte herabstürzt. In Baselitz‘ Arbeiten tauchen oft Tiere auf, besonders der Adler ist ein wiederkehrendes Motiv. Dieser symbolträchtige Vogel ist ja auch auf zahlreichen Wappen zu finden. In Baselitz’ skizzenhaften Gemälde, das sich an den Effekten von Farbe und Formgefüge orientiert, unternimmt der Künstler den Versuch, diesen Vogel losgelöst von jeglicher Heraldik zum Thema zu machen.
Georg Baselitz in einem unveröffentlichten Interview mit Walter Grasskamp, zit. nach Norman Rosenthal: Georg Baselitz. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, in: Kat. Ausst. „Georg Baselitz. Bilder die den Kopf verdrehen“, hrsg. von Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH, Leipzig 2004, S. 227.