Henri Nannen entdeckte dieses 1985 entstandene Gemälde Maxim Kantors bei einem Besuch im Moskauer Atelier des Künstlers, unmittelbar nachdem er den jungen Maler bei einem Empfang kennengelernt hatte.
Seine Frau Eske Nannen erinnert sich: "(...) und Kantor lud uns in sein Atelier ein. Und am nächsten Tag sind wir dann zu ihm ins Atelier und ich weiß noch genau, wir kamen rein, es waren verschiedene Bilder, aber über einem Bett mit so einem Überwurf hing das Bild "Das Kreuzworträtsel". Und das war faszinierend! Und natürlich, dann kam die russische Gastfreundschaft, ich weiß es noch wie heute, es gab diesen süßen russischen Cognac, ich glaube aus Teetassen oder irgendwie so was, aber dieses Bild war so faszinierend und Maxim zeigte uns noch andere Bilder, sodass das einen unauslöschlichen Eindruck auf uns machte."
Nannen beschloss, dieses Gemälde zu erwerben.
"Das "Kreuzworträtsel", was wir dort über dem Bettsofa haben hängen sehen, das sprach uns irgendwie an. Man wusste ja nicht direkt, was es darstellen sollte. Und erst bei näherem Hinschauen entdeckte man, es spielt in einer Psychiatrie des Krankenhauses und die Menschen hier um den Tisch, um ein sogenanntes Kreuzworträtsel drum herum sitzend, haben eine verschlüsselte Nachricht unter dem Kreuzworträtsel liegen! Und das ist das Geheimnis, was man im ersten Moment nicht erkannt, also wieder eine Aussage an die Allgemeinheit, dass etwas nicht stimmt."
Immer wieder hat Kantor existenzielle Extremsituationen gemalt, von Kranken oder Internierten in erzwungener Unfreiheit, in psychiatrischen Anstalten, in Straflagern. Die zeitgenössische Wirklichkeit verschmolz er dabei oft mit Archetypen aus der christlichen Bildsprache, um den von ihm dargestellten Menschen trotz ihrer erniedrigenden Lage Würde zu verleihen: In diesem Bild etwa hat Kantor die Gruppe der um den Tisch versammelten Männer bewusst in Anlehnung an Darstellungen des letzten Abendmahls Christi gestaltet.