Ob als unschuldige Opfergabe in der Bibel oder als beliebtes Motiv an den Wänden prähistorischer Höhlen, Schafe haben eine lange, symbolisch aufgeladene Tradition in Kunst und Kultur. Für uns verkörpern diese Tiere zumeist ländliche Einfachheit, sie vermitteln den Eindruck von Ruhe und Frieden und somit die Verdrängung alles Bösen und Schlechten.
Doch oftmals denken wir bei Schafen auch an dumme, ängstliche Tiere, die bei Gefahr schnell den Schutz ihrer Herde suchen. Welche Ironie! Ist der Mensch nicht selbst ein Herdentier? Schlummert in uns nicht auch die Sehnsucht nach Geborgenheit und Nähe anderer?
In K.H. Hödickes Werk blicken wir von einem erhöhten Standpunkt aus auf eine kleine Schafherde, die ganz im Kontrast zu dem satten, kräftigen Grün der Weide steht. Wie helle Lichtkörper verteilen sich die Tiere weiter hinten locker auf der Wiese, während sich andere im Vordergrund eng aneinander drängen.
Ganz in der Tradition der Expressionisten stehen der grobe, flächige Farbauftrag, der kräftige Duktus des Pinsels, die ungebrochenen Farben. Und doch erkennen wir eine verspielte Leichtigkeit, eine spontane Gestik, wie sie der neoexpressionistischen Malerei innewohnt, der Hödicke zugeordnet wird,
Fast wirkt es so, als hätte Hödicke das Werk gerade erst fertig gestellt und nun zum Trocknen hier aufgehängt… Sehen Sie? Noch läuft die Farbe… und bald schon verschmelzen die Schafe mit der Wiese…