Drei Bildtafeln hat der Münchner Künstler Franz Hitzler in diesem 1982 entstandenen Werk zu einem Triptychon, also zu einer dreiteiligen Arbeit, zusammengefügt. Das Triptychon hat seinen Ursprung in mittelalterlichen Altarbildern: Häufig wurde etwa eine zentrale Kreuzigungsszene mit zwei anderen Szenen aus dem Leben Christi kombiniert. Hitzlers unbetitelte Arbeit ist kein christliches Werk, doch die Kreuzigungsthematik spielt auch hier - als existenzielles Drama von Gewalt, Leid, Leben und Tod - eine Rolle.
Auf dem linken der drei Felder steht bildbeherrschend das schwarze Kreuz - in groben Pinselzügen auf eine weiße Fläche gesetzt. Klaffende Wunden in der Leinwand zeugen von aggressiven Attacken Hitzlers. Auf der rechten Bildtafel überlagern und durchkreuzen breite schwarze Linien das darunterliegende brodelnde Farbgefüge. Hier scheint wildes Chaos zu herrschen. Auf der Mitteltafel jedoch treten menschenähnliche Figuren aus der Farbdynamik hervor: Ausgreifende Gesten und fratzenhafte, weiße und schwarze Gesichter werden erkennbar.
Auf den großen Leinwänden Franz Hitzlers werden immense Energien frei. Im spontanen und impulsiven bildnerischen Akt fand der Künstler einen Weg, seine ihn krisenhaft bedrängenden Ängste und Aggressionen zu bearbeiten. Er beschäftigte sich intensiv mit der Psychologie Sigmund Freuds und C. G. Jungs. Seine künstlerische Arbeit begriff er aber auch als Auseinandersetzung mit der verdrängten deutschen Vergangenheit. Hitzler formulierte es so:
"Notwendigkeit, den in der Seele abgelagerten individuellen wie geschichtlichen Müll aus Schuld, Angst und Verdrängungen zu heben. Die Befreiung kann nur aus der Aufhebung seelischer Blockaden erwachsen. (...) Ich glaube, dass wir (...) überhaupt erst klar und frei denken können, wenn wir diese verdrängten (...) Erfahrungen in unser Bewusstsein aufnehmen."