
KÜNSTLER
Erich Heckel (1883 Döbeln – 1970 Radolfzell)
TITEL
Männerbildnis (Der grüne Kopf)
DATIERUNG
1919
MATERIAL & TECHNIK
Farbholzschnitt
SAMMLUNG
Stiftung durch Henri Nannen
Auf diesem großformatigen Holzschnitt hat Erich Heckel sich selbst dargestellt: Hager und ernst blickt er aus dem Bild. Scharfkantige Linien umreißen die Gesichtszüge des 35jährigen Künstlers. Mit seinen eingefallenen Wangen, der hohen Stirn und den nachdenklich ineinandergelegten Händen erinnert er an einen asketischen Mönch oder buddhistischen Zen-Meister. Dem Künstler ging es in diesem Selbstbildnis vor allem um den psychischen Ausdruck, nicht allein um die Wiedergabe seiner äußeren Erscheinung. Die über seine Stirn verlaufenden, markanten Linien wirken wie eine Verkörperung geistiger Energien. Die grüne Farbe verfremdet das Gesicht zusätzlich.
Heckel schuf diesen Holzschnitt 1919. Persönliche Erlebnisse und die Erfahrungen der Zeitgeschichte, wie der Erste Weltkrieg und die Novemberrevolution von 1918, haben sich tief in das Gesicht des Künstlers eingegraben. Längst hatte sich die 1905 in Dresden gegründete Künstlergemeinschaft "Brücke", zu deren Gründungsmitgliedern Heckel gehörte, wieder aufgelöst. Die expressionistische Aufbruchstimmung der frühen Brücke-Jahre war verflogen.
Um so souveräner beherrschte der Künstler sein Medium, den Holzschnitt. Diese grafische Technik erfordert großes handwerkliches Können - und eine entschiedene Konzentration auf das Wesentliche. Dies kam dem Stil der Brücke-Künstler von Anfang an entgegen. Besonders Heckel und Ernst Ludwig Kirchner machten den Holzschnitt zu einem expressionistischen Medium par excellence. An zwei Traditionen knüpften sie dabei an: An die europäische Holzschnittkunst von Meistern wie Albrecht Dürer und an den japanischen Farbholzschnitt, der vielen Künstlern der Moderne Impulse gab.
Auch die Schnitzkunst außereuropäischer Kulturen spielte als Anregung für die expressive Holzschnittkunst eine wichtige Rolle. In diesem Selbstbildnis Heckels ist dies an den kantig stilisierten Gesichtszügen sehr schön zu erkennen.
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Bislang unbekannte Provenienz, ####–#### [1]; Auktionshaus Dr. Heuser & Grethe, Hamburg, ####–Juni 1982 [2]; Henri Nannen Kunsthandel, Hamburg/Emden, Juni 1982–September 1986 [3]; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri Nannen, Oktober 1986 [4]
[1] Bislang unbekannte Provenienz. Es handelt sich um einen signierten, nicht nummerierten Druck, den Fritz Voigt in seiner Werkstatt Manus Offizin Fritz Voigt, Berlin, im Auftrag des Verlags J. B. Neumann, Berlin, herstellte. Links unter dem Motiv findet sich der handschriftliche Vermerk »Gedr. F Voigt«. Es handelt sich laut Werkverzeichnis des graphischen Werks um den Zustand III.B.
[2] & [3] Rechnung des Auktionshauses Dr. Heuser & Grethe, Hamburg, vom 8.6.1982; interne Bestandslisten.
[4] Am 01.10.1986 wurde der Henri Nannen Kunsthandel mit Kunstgegenständen von Henri Nannen als Zustiftung auf die Stiftung Henri Nannen übertragen; Stiftungsvertrag; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 lückenhaft und nicht zweifelsfrei unbedenklich. Weitere Nachforschungen sind geboten. Aktuell besteht kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.