
KÜNSTLER
Arthur Goetz (1885 Deutschland – 1954 Mexiko)
TITEL
Ohne Titel (Bild in Blau)
DATIERUNG
1920
MATERIAL & TECHNIK
Öl auf Pappe
SAMMLUNG
Stiftung durch Henri Nannen
In wunderbaren Blautönen entfaltet dieses Gemälde eine kristalline Formenwelt vor unseren Augen, in der man den Boden unter den Füßen verlieren kann. Katharina Henkel schildert, warum sie dieses 1920 entstandene Werk des wenig bekannten Malers Arthur Goetz besonders schätzt:
"Ja, das ist ein extrem dynamisches Bild! Man sieht, dass sich Goetz sowohl mit dem Kubismus befasst hat, als auch mit dem Futurismus. Dieses Übereinanderlagern (...), dieses aufgefächerte Zusammenspiel verschiedener geometrischer Formen, durch die aber auch wieder Tiefe entstehen kann, also dass man die Assoziation bekommt, es würde sich eine Treppe in der Bildmitte etwa auftun oder ein Bild im Bild sich im Grunde öffnen. (...) Schön ist auch das Farbzusammenspiel. Dass wirklich ein Blau auf ein kräftiges Rot trifft oder auch ein Grün neben ein Gelb gesetzt ist. Also dieses Spiel von Misch- und Komplementärfarben, das ist einfach ganz wunderbar gelungen."
Über den 1885 geborenen Maler Arthur Goetz weiß man heute kaum noch etwas, nicht einmal seine Sterbedatum ist bekannt. Sein "Bild in Blau" spiegelt eine Umbruchphase der deutschen Geschichte: 1918 war das Kaiserreich in den Schützengräben des Ersten Weltkriegs untergegangen. In Berlin schlossen sich zahlreiche Künstler, darunter Max Pechstein, Lyonel Feininger, Wassily Kandinsky und Otto Dix, aber auch Architekten wie Erich Mendelsohn zur "Novembergruppe" zusammen, um - eng verbunden mit dem "Arbeitsrat für Kunst" - zum Aufbau einer neuen Gesellschaft beizutragen.
Auch Arthur Goetz schloss sich dieser Bewegung an. Sein "Bild in Blau" reflektiert die utopischen Architekturideen und die gesellschaftliche Aufbruchstimmung seiner Entstehungszeit: Es bildet nicht die Realität ab, sondern konstruiert eine neue, geistige Realität im Bild.
Bislang unbekannte Provenienz, ####–#### [1]; Hans Siebert von Heister, ####–1967 [2];
Nachlass Hans Siebert von Heister, 1967–#### [3]; Galerie Michael Pabst, München, frühestens 1974–Januar 1985 [4]; Kunsthalle in Emden, Stiftung Henri Nannen, seit Januar 1985 [5]
[1]–[3] Wann das Gemälde von Hans-Siebert von Heister (1888–1967) erworben wurde oder ob er es im Tausch oder als Geschenk von Arthur Goetz erhielt, ist bislang unbekannt. Beide Künstler waren Mitglied der Novembergruppe; Goetz nahm an Ausstellungen der Gruppe von 1920 bis 1923 Teil, von Heister von 1919 bis 1927 sowie 1929 (vgl. Helga Kliemann: Die Novembergruppe, Berlin 1969, S. 103, 107). Die Angabe, dass sich Goetz’ Gemälde im Nachlass von Heisters befand, stammt aus der Publikation von Helga Kliemann, die auf der Rechnung der Galerie Pabst an die Stiftung Henri Nannen angeführt wird.
[4] & [5] Die Galerie Pabst wurde erst 1974 gegründet (vgl. URL: www.sammlung-pabst.org/links/profil.htm, zuletzt abgerufen am 14.10.2022), weshalb dieses Jahr als frühester Zeitpunkt eines Erwerbs aus dem Nachlass von Heisters durch Michael Papst angenommen wird. Rechnung der Galerie Michael Pabst, München vom 31.01.1985; interne Bestandslisten.
Status: Die Provenienz ist für die Zeit von 1933 bis 1945 lückenhaft und nicht zweifelsfrei unbedenklich. Weitere Nachforschungen sind geboten. Aktuell besteht kein konkreter Verdacht auf einen NS-verfolgungsbedingten Entzug.
Lost Art-Datenbank: Fundmeldung, Lost Art-ID615365