Mit wenigen schwarz-grauen Pinselstrichen hat der Amerikaner Eric Fischl den nackten Mann auf einem Blatt Millimeterpapier skizziert. Den Kopf zurückgelegt, scheint er zu schwimmen, wie es auch der Titel – „Green Swimmer“ – nahelegt. Die Beine in der Bewegung leicht gespreizt, ist sein Geschlecht deutlich zu erkennen, ohne dass die Figur dadurch etwas Exhibitionistisches ausstrahlen würde. Vielmehr wirkt der Schwimmer tief in sich selbst versunken.
Die Pose erinnert an zentrale Werke der Kunstgeschichte: zum einen an den nackt schlafenden „Barberini-Faun“, eines der Hauptwerke der griechisch-antiken Bildhauerei, zum anderen an Darstellungen der Pietà, also an Bilder des toten Christus, der im Schoß seiner Mutter Maria liegt und von dieser betrauert wird. Fischls profane Umdeutung dieser Motive liegt nicht zuletzt in der Offenlegung des Geschlechts, das zum Beispiel beim toten Christus stets von den Beinen oder einem Lendenschurz schamhaft bedeckt wird.
Eric Fischl gilt als einer der wichtigsten realistisch arbeitenden Maler der USA. Seine Lieblingsmotive entstammen der Lebenswelt des modernen, aufgeklärten, weißen Mittelstands-Amerikas – oft malt er mit hellen Farben Menschen in Badehose oder nackt am Strand. Gerade mit seinen nackten Figuren spiegelt Fischl die ambivalente Kultur der USA, in der Prüderie und Pornographie stets nah beieinander liegen. Trotz seiner freundlich gestimmten Farbpalette und dem zunächst harmlos erscheinenden Motiv lauert auch hinter einer Figur wie dem „Grünen Schwimmer“ das Abgründige: wenn man sich bei längerem Hinsehen nämlich immer unsicherer wird, ob er überhaupt noch am Leben ist...