Da steht er - tragisch und lächerlich zugleich: Don Quijote, der berühmte Ritterheld des spanischen Dichters Miguel de Cervantes. Seit dem 17. Jahrhundert geistert er durch die europäische Kunst- und Literaturgeschichte, vielfach auf die Bühne gebracht und von Künstlern wie Honoré Daumier, Salvador Dali und Pablo Picasso in ihren Werken interpretiert. Cervantes schilderte Don Quijote als weltfremden Landadeligen, der durch die übermäßige Lektüre von Ritterromanen seinen Verstand verliert und sogar gegen Windmühlenflügel kämpft. In dieser Plastik hat ihm der Bildhauer Lothar Fischer liebvoll karikierend Gestalt gegeben.
Der bauchige Körper gleicht einer breiten, aus der Form geratenen Flasche. Die löchrige Außenwand deutet die rostzerfressene Rüstung des armen Ritters an. Zwei winzige Henkel fungieren als Arme. Der überlange, zylindrische Kopf sitzt wie eine umgestülpte Vase auf dem Hals. Mit wenigen Strichen hat der Künstler ein Gesicht daraufgemalt: zwei winzige Augen, eine lange Nase und dünn herabhängende Schnurrbarthaare. Eine flache Platte als Hut obenauf macht den "Ritter von der traurigen Gestalt" perfekt.
Lothar Fischer baute diese Plastik dreidimensional aus Tonplatten auf und bemalte sie anschließend in Weiß, Rot und Schwarz. Dabei bediente er sich einer der ältesten künstlerischen Techniken der Menschheit: Schon in der Steinzeit verstand man, den natürlich vorkommenden Ton zu formen und durch Brennen dauerhaft haltbar zu machen. In vielen archaischen Kulturen finden sich Gefäßformen, die Züge von menschlichen Gestalten oder Gesichtern aufweisen. Daran knüpfte der Münchner Bildhauer Lothar Fischer hier an.
Der leicht formbare, weiche Ton war sein Lieblingswerkstoff: Er kam seinem spielerischen und experimentellen Gestaltungsdrang weit mehr entgegen als etwa der harte, spröde Marmor.