Die Berliner Mauer – Wunde der Stadt und zugleich eine Touristenattraktion damals wie heute. Ab 1961 machte sie West-Berlin zu einer Insel inmitten der DDR. In diesem Biotop entwickelte sich in den 1970er und 80er Jahren eine Subkultur, die viele Künstler und Künstlerinnen anzog, darunter auch Rainer Fetting. Zusammen mit Malern wie Salomé und Bernd Zimmer gehörte er zu den so genannten „Neuen Wilden“, die mit gegenständlichen Bildern in kräftigen, expressiven Farben Furore machten.
Fetting hatte sein Atelier am Südstern, einem großen Platz in Kreuzberg. Dort entstanden mehrere Mauerbilder wie dieses aus dem Jahr 1988. Doch es ist keine reale topografische Wiedergabe, wie Fetting erklärt:
„Die Mauer gab es nie am Südstern. Man spürte die ja überall in Berlin, aus dem Grund habe ich sie verlegt, weil sie so aberwitzig war, konnte man sie überall hinmalen. Ich wollte die Mauer zumindest nicht artig realistisch, im damals politisch korrekten Sinne gelten lassen.“
Fetting zeigt die Mauer als monströsen Fremdkörper, der die Stadt zerschneidet. Rechts im Westen der Südstern mit seiner Kirche und dem U-Bahnhof, links im Osten der Todesstreifen an der Mauer und der Fernsehturm am Alexanderplatz. Darüber der rotglühende Himmel, der beide Stadthälften vereint.
Dieses Bild ziert übrigens auch das Cover unseres neuen Jahresprogramms. Denn Rainer Fetting, der am 31. Dezember 2019 seinen 70. Geburtstag feierte, ist der Kunsthalle Emden schon lange verbunden. Er hat auch als Bildhauer bedeutende Werke geschaffen, etwa die große Bronzeskulptur von Willy Brandt in der Berliner SPD-Zentrale. Und auf Einladung von Eske Nannen gestaltete er das Porträt von Henri Nannen für den gleichnamigen Journalistenpreis.