Wie bei einer Luftaufnahme aus großer Höhe blicken wir hier auf leuchtend gelbe Farbströme, die an geologische Strukturen oder an ein Flussdelta erinnern. Das "Gelbe Schneckenfeld" des österreichischen Künstlers Gunter Damisch lädt uns ein, mit den Augen und Gedanken durch die Farblandschaft des Bildes zu wandern. Prozesse des Fließens und Strömens sind in dem Werk angesprochen und erscheinen wie zu reliefartigen Krusten geronnen. Teilweise schichtet sich die Farbmaterie mehrere Zentimeter stark auf dem aus Hanffasern gewebten Bildträger. Links ziehen sich weiße Schlieren in großzügigen Bahnen über den Grund, dazu tauchen schrundiges Braunrot und sparsam eingesetzte blaue Farbspuren im dominierenden Gelb auf. Materialität und Leuchtkraft der Farbe werden zum eigentlichen Thema des Bildes.
Wie ein Kraftzentrum zieht eine prägnante, dunkle Spiralform die Blicke auf sich, die auch im Titel "Schneckenfeld" angesprochen ist. Sie erinnert an eine archaische Felszeichnung, weckt aber auch Assoziation an Zellstrukturen oder botanische Phänomene wie die Jahresringe und Holzmaserungen eines Baumes. Gunter Damisch entnimmt seine Motive häufig der Botanik, Geologie oder Landwirtschaft. Er spürt Naturkräften nach, die im Mikrokosmos ebenso wie im Makrokosmos wirken. Mit seiner heftigen, spontanen Malweise knüpft der Maler dabei auch an die Tradition des Expressionismus an.
Gunter Damisch begann seine Laufbahn als Schüler von Arnulf Rainer an der Wiener Akademie der Künste und zählt zu den Vertretern der "Neuen Wilden".
Diese schufen seit den 1980er Jahren in Deutschland und Österreich mit ihrer neoexpressiven Malerei eine Gegentendenz zur intellektuellen, rational bestimmten Konzeptkunst.