Der Maler Josef Scharl

Josef Scharl, Selbstbildnis, 1954. Kunsthalle Emden © Susanne Scharl

Der Maler Josef Scharl

Die Ausstellung "Welt aus den Fugen" (9.10.2021 bis 30.01.2022) stellt mit Josef Scharl (1896-1954), Hanns Ludwig Katz (1892-1940) und Franz Radziwill (1895-1983) drei Künstler einer Generation vor: sie wurden allesamt in den 1890er Jahren geboren. Die Kunsthalle Emden verfügt über die größten institutionellen Werkbestände der Maler Scharl und Katz, auch Radziwill ist mit einer Vielzahl von Werken in der Sammlung vertreten. Doch die Lebenswege der drei könnten nicht unterschiedlicher sein. Heute blicken wir auf die Biographie von Josef Scharl: 

Josef Scharl - Biographie

Der Münchner Maler Josef Scharl (1896 München – 1954 New York) erhielt in seiner Ausbildung zum Dekorationsmaler nicht nur handwerklich ausgerichteten Unterricht, sondern erste Kenntnisse in Kunstgeschichte, Anatomie und Restaurierung. Scharl erlebte die Schrecken des Ersten Weltkriegs an der Front und wurde bei einem Einsatz verschüttet. Die vorrübergehende Lähmung seines rechten Armes konnte zum Glück 1918 behoben werden – in dieser Zeit malte er mit der linken Hand weiter. Die Bayrische Akademie der Künste besuchte er nur kurz, doch in den 1920er Jahren war er bereits künstlerisch erfolgreich und bestritt diverse Einzel- und Gruppenausstellungen. Der gut vernetzte Künstler lernte Kulturschaffende in München und Berlin kennen und erweiterte den Kreis seiner Förderer auch über die Grenzen des deutschen Staatsgebiets. Diese retteten ihn über die 1930er Jahre: Als Regimegegner schlugen ihm schon ab 1929 Diffamierungen entgegen, und ab 1933 sah er sich zunehmend mit finanziellen Problemen konfrontiert. Studienreisen nach Rom und Paris konnte er dank Stipendien und des Rom-Preises noch vor Hitlers Ernennung zum Reichskanzler unternehmen. An das neue, nationalsozialistische Kunstideal passte er sich nicht an; ihm wurde ein Malverbot auferlegt.

Der lebensfrohe, leidenschaftliche Maler rang sich 1938 zur Emigration in die USA durch und kehrte nie wieder nach Deutschland zurück. Als dort unbekannter Künstler konnte Scharl erst Jahre später Fuß fassen, doch in den 1940er Jahren begann mit seiner Illustrationsfolge zur US-amerikanischen Fassung der Märchen der Gebrüder Grimm, eine erfolgreichere Zeit. Den Ruf zum Professor an der Bayerischen Akademie der Künste schlug Scharl 1950 aus und blieb stattdessen korrespondierendes Mitglied. Scharl verstarb 1954 an einem Herzschlag.

Im Gegensatz zu vielen Kunstschaffenden seiner Zeit, lag es dem Münchner Künstler Josef Scharl fern, sein Œuvre in eine eigene, übergeordnete Theorie einzubinden. Sein Interesse galt der Zeitgenossenschaft: In expressiver Farbigkeit und glasklarer Beobachtungsgabe porträtierte er in den 1920er und 1930er Jahren sowohl Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens, als auch Personen der Arbeiterklasse.

Je mehr man in ein Bild hinein erklären kann, desto weniger hat es der Maler zuwege gebracht, seine Absicht klar auszudrücken. Das Werk muss für sich selber sprechen! […] Die guten Bildwerke sind klar und eindeutig und brauchen keine Erklärungen, sie verlangen aber ein Bekenntnis.

Josef Scharl in einem Brief an Kunsthändler Günther Franke, 1947
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