Vortrag von Dr. Selima Niggl "Pinot Gallizio. Malerei am laufenden Meter"
© Pinot Gallizio, La Sirena e il Pirata, 1958, Stiftung van de Loo, München, (c) VG Bild-Kunst, Bonn 2023

Vortrag von Dr. Selima Niggl "Pinot Gallizio. Malerei am laufenden Meter"

Am 17. März um 12.30 Uhr spricht Dr. Selima Niggl in der Kunsthalle Emden über den italienischen Maler Pinot Gallizio (1902-1964). Die Teilnahme am Vortrag ist im Museumseintritt enthalten. Die Veranstaltung gehört zum Rahmenprogramm zur aktuellen Ausstellung der Kunsthalle „BILDER WIE ENERGIEMASCHINEN. Otto van de Loo zum Hundertsten“ (bis 12. Mai).

Der italienische Künstler Pinot Gallizio wurde bekannt für seine pittura industriale: Malerei auf langen Stoffrollen, die vom Meter verkauft wurde. Gallizio, Apotheker, Chemiker, Harz- und Bonbonfabrikant aus Alba, Italien, kam spät, aber mit Erfolg zur Kunst. Seine „Malerei am laufenden Meter“ war ein früher Beitrag zur Programmkunst der 1960er Jahre, die sich die kollektive Kunst mit industriellen Mitteln auf die Fahnen geschrieben hatte. Mit seiner unorthodoxen und experimentierfreudigen Kunst fand er sich an einem Knotenpunkt wichtiger internationaler Kunsttendenzen wieder: Mit dem Dänen Asger Jorn gründete er 1955 das laboratorio sperimentale, ein Forum für experimentelle Kunst; beide sind 1957 Gründungsmitglieder der Situationistischen Internationale.

1959 veranstaltete die Galerie van de Loo eine als Happening inszenierte Ausstellung von Gallizios Werken. Zwischen Paris, New York und Mailand wurde München so, auch dank der Situationistischen Internationale, für kurze Zeit zum Schauplatz künstlerischer Avantgarde. Diese Ausstellung war ein Meilenstein für die Durchsetzung der internationalen modernen Kunst in Deutschland nach dem Zweiten Weltkrieg.

Dr. Selima Niggl ist Kunsthistorikerin und Gründungsmitglied der Stiftung van de Loo, München. Auf freier Basis arbeitet sie an Ausstellungskonzepten, Katalogen und Texten mit Konzentration auf Malerei der 1960er Jahre sowie Künstlerinnen und Künstler aus dem Umfeld der Situationistischen Internationale. 2007 veröffentlichte sie das Buch „PINOT GALLIZIO. Malerei am laufenden Meter“ im Nautilus Verlag, das im Buchhandel vergriffen, derzeit aber noch mit wenigen Exemplaren im Shop der Kunsthalle erhältlich ist.

Die Ausstellung „BILDER WIE ENERGIEMASCHINEN“ ist dem Münchner Galerist und Sammler Otto van de Loo (1924 –2015) gewidmet. Er wurde mit seiner großzügige Schenkung von rund 200 Werken an die Kunsthalle Emden im Jahr 1997 zum dritten großen Stifter der Kunsthalle Emden neben Henri und Eske Nannen. Aus Anlass seines 100. Geburtstags am 9. März werden künstlerische Strömungen und Vereinigungen der Nachkriegszeit wie das Informel, die Gruppen CoBrA und SPUR präsentiert. Videos und Archivmaterial beleuchten die Leidenschaft Otto van de Loos für eine „wilde“ Kunst.

Teilnahme im Eintrittspreis enthalten.

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