Der Künstler und die Spannungen der Gegenwart
Mit zahlreichen Gemälden widmet sich Mueller-Stahl dem internationalen und nationalen Zeitgeschehen. Er reagiert unmittelbar auf Ereignisse und Debatten. Stets scharfsinnig beobachtend, mal einfühlsam, mal sarkastisch. Den sportlichen Meilenstein des Weltmeistertitels der deutschen Fußballherren 2014 etwa verknüpft er bissig mit einer Bierwerbung, ebenso ein Kommentar auf das aufkeimende Nationalgefühl wie auf die kommerzielle Verwertung des Großereignisses. Und nicht zuletzt auf die Korrumpierbarkeit der Beteiligten, die sich 2015 im Fifa-Skandal zeigte.
Als Mensch, der das Terrorregime der Nationalsozialisten und die Diktatur der DDR durchlebt hat, ist Mueller-Stahl hoch sensibilisiert für die Gefahren, das Scheitern und die Schwächen der Politik. Wie ernsthaft seine Auseinandersetzung mit unserer Gegenwart ist, zeigt sich auch in der Rauheit und Empörung seiner Formulierungen. Etwa über Präsident Obamas Handlungsunfähigkeit im Zweiparteiensystem der USA und den Despotismus Donald Trumps.