CoBrA/Spur

Mit ihrer spontanen, gestisch-expressiven Zeichensprache und den oftmals leuchtenden Farben stellt die Malerei der Gruppe CoBrA einen europäischen Gegenpol zum amerikanischen Abstrakten Expressionismus dar. Das Ziel der Künstler der CoBrA wie auch der SPUR war eine aus freier malerischer Gestaltung entwickelte, übernationale Bildsprache und die Verbindung von Theorie und Kunst, gesellschaftlicher Utopie und explosiver Malerei.

CoBrA

Die Künstlergruppe CoBrA wurde 1948 in Paris gegründet. Der Name bildete sich aus den Anfangsbuchstaben der Städte Copenhagen, Brüssel und Amsterdam, aus denen die Gründungsmitglieder stammten. Neben den Initiatoren Asger Jorn und Constant zählten auch Karel Appel, Carl-Henning Pedersen und Corneille zu der Gruppe und später Pierre Alechinsky. Darüber hinaus sollte die lautmalerische Ähnlichkeit zur Giftschlange Kobra die künstlerische Progressivität verdeutlichen, mit der die Gruppe gegen akademische und gesellschaftliche Normen arbeitete.
Künstlerisch strebten die CoBrA-Künstler die Wiederbelebung des Expressionismus mit den Stilmitteln des Informel an. In ihre zumeist sehr spontan geschaffenen, farbstarken und abstrakt-figurativen Bilder flossen Elemente aus der naiven Volkskunst, aus Kinderzeichnungen und aus der Kunst der sogenannten „Primitiven“ ein. Die Gruppe verstand sich aber auch als politisch arbeitend und suchte betont die internationale Zusammenarbeit. Im Wesentlichen durch Jorn forciert und gestaltet, brachte die Gruppe bis zu ihrer Auflösung 1951 zehn Ausgaben der gleichnamigen internationalen Zeitschrift heraus. Eine erste später sehr bedeutende Plattform in Deutschland verschaffte ihnen der Münchner Galerist Otto van de Loo.

SPUR und GEFLECHT

SPUR war eine 1957 in München gegründete Gruppe junger Künstler, die sich an der dortigen Kunstakademie kennengelernt hatte. Bis zu ihrer Auflösung 1965 leistete sie einen wichtigen künstlerischen und mit ihrem Manifest auch einen bedeutenden theoretischen Beitrag zur deutschen Kunst nach 1945. SPUR war außerdem die offizielle deutsche Sektion der 1957 gegründeten linksradikalen Situationistischen Internationale, zu der auch die CoBrA sowie andere Künstler, Schriftsteller und Theoretiker gehörten.
Wie viele Gruppen beschäftigte sich auch SPUR sowohl mit der Malerei als auch mit gesellschaftspolitischen Fragen. Ihre Gedanken und Konzepte publizierten die Künstler regelmäßig in der gleichnamigen Zeitschrift und setzten sich in Manifesten und Flugblättern immer wieder mit programmatischen Parolen vom gängigen Kunstbetrieb ab. Ihre Malerei ist geprägt vom Abstrakten Expressionismus, Tachismus und dem Informel, sowie von den Theorien der Situationisten um Asger Jorn.

1965 fusionierten die SPUR-Künstler wiederum mit dem Künstlerkollektiv WIR, das mit einem figürlichen abstrakten Expressionismus in München anfangs der 1960-er Jahre Aufsehen erregte: Es entstand die Gruppe GEFLECHT. Wesentlich gefördert wurde auch sie durch Asger Jorn, durch den Künstler und Publizisten Hans Platschek und insbesondere durch Otto van de Loo. GEFLECHT-Künstler wie Heimrad Prem, Helmut Sturm, HP Zimmer, Lothar Fischer, Helmut Rieger, Heino Naujoks, Reinhold Heller, Florian Köhler und das Künstlerpaar Bachmayer entschieden sich für einen gemeinsamen Stil, negierten Hierarchien und konventionelle Ordnungen. 1968 löste sich die Gemeinschaft – ihrer Utopien beraubt – wieder auf.