Kunstwerk des Monats

Die Sammlung der Kunsthalle Emden wächst durch Schenkungen, Zustiftungen und Spenden. Insbesondere den Freunden der Kunsthalle ist es zu verdanken, dass der Bestand regelmäßig Zuwachs erhält und in Abstimmung mit der wissenschaftlichen Leitung wichtige Ergänzungen auch aus der zeitgenössischen Kunst Eingang finden. Hier stellen wir regelmäßig ein Kunstwerk des Monats vor, das von den Freunden für die Kunsthalle erworben wurde.

Kunstwerk des Monats Oktober 2020:
Hanns Ludwig Katz: Selbstbildnis mit Handspiegel (recto)/Stilleben mit Goldfischglas (verso), um 1930
Öl auf Sperrholz, beidseitig, 100,3 x 60,3 cm
Schenkung der Freunde der Kunsthalle e.V. und Anton Flick, 2001

Kühle und Distanz bestimmen die Atmosphäre der beiden Ölgemälde „Selbstbildnis mit Handspiegel“ und „Stillleben mit Goldfischglas“, die etwa um das Jahr 1930 entstanden. Schummriges Licht taucht diese zwei Szenerien in ein mattes, fast melancholisches Ambiente. Im Gegensatz zu späteren Werken dieser Art, bei denen der Maler Hanns Ludwig Katz (1892–1940) auf starke Hell-Dunkel-Kontraste und intensive Farbigkeit setzte, werden diese Arbeiten von einer gediegenen und wenig kontrastreichen Farbpalette beherrscht. Nicht zuletzt die Konstellationen der einzelnen Objekte, die unnatürlich und zusammenhanglos wirken, unterstreichen den Effekt einer nüchternen Sachlichkeit: Die wiederkehrenden Elemente – Tiere, Vasen, Blumen bzw. Pflanzen und besonders das Material Glas – erwecken den Anschein eines stets anwendbaren und sich wiederholenden Rezeptes an Objekten, auf das der Künstler in seinen Stillleben zurückgreift.

Das „Selbstbildnis mit Handspiegel“ dagegen erschwert eine eindeutige Zuordnung. Es handelt sich um eine Kombination aus Porträt-, Stillleben- und Landschaftselementen. Zwar dominiert hier die schmale Blumenvase den Bildraum, es ist jedoch die Katze, die den Blick des Betrachters zunächst einfängt. Nicht weniger bedeutsam ist das kleine, fast unscheinbare Porträt des Künstlers im Spiegel, von dessen Standpunkt aus auch wir das Tier erfassen. Fast wie in Trance ruhen seine Augen auf der Katze und verleihen dem Bildnis eine seltsam mystische Komponente.

Beidseitig bemalte Gemälde wie dieses, stellen in der Kunst keine Seltenheit dar, doch bieten sie dem Betrachtenden immer wieder einen außergewöhnlichen Anblick. Dahinter verbirgt sich in der Regel eine eher nüchterne Erklärung: Kostspielige Materialien zwangen viele Künstler*innen in den 1920er und 30er Jahren zu eiserner Sparsamkeit. Für die Präsentation in einer Ausstellung entpuppen sie sich nicht nur als Herausforderung, sondern werfen eine Reihe an Fragen auf: Gehören die Werke zwangsweise zueinander? Darf man eine Seite der anderen vorziehen oder sie gar künstlerisch höher bewerten? Oder sollte man sie nicht als zwei getrennte, sondern ein gemeinsames Gemälde betrachten? Insgesamt ist dieses Werk im Bereich der neusachlichen Malerei eine besonders wertvolle Erweiterung für die Bestände der Kunsthalle, die damit das größte institutionelle Konvolut des jüdischen Malers besitzt.

Freies WLAN in der Ausstellung

Audioguide

Nutzen Sie Ihr eigenes Smartphone

Mehr sehen durch mehr wissen: Audioguide gratis über QR-Code und auf unserer Homepage hier in deutscher Sprache / Gratis audiogids via QR-code en op onze homepage hier in het Nederlands

Drücke Enter, um die Suche zu starten