Highlights der Sammlung

Die Sammlung der Kunsthalle Emden wächst durch Schenkungen, Zustiftungen und Spenden. Insbesondere den Freunden der Kunsthalle ist es zu verdanken, dass der Bestand regelmäßig Zuwachs erhält und in Abstimmung mit der wissenschaftlichen Leitung wichtige Ergänzungen auch aus der zeitgenössischen Kunst Eingang finden. Hier stellen wir in einzelne Werke näher vor:

Gerhard Richter: Abstraktes Bild 1988

Öl auf Leinwand, 200,3 x 160,8 cm

Schenkung der Freunde der Kunsthalle e.V., 1994

Die Qualität seiner Kunst hat bei diesem Maler allerhöchste Priorität. Bekanntermaßen hat er in der Vergangenheit über 100 seiner Bilder zerstört, weil sie seinen eigenen Ansprüchen nicht genügt haben sollen. Gerhard Richter (*1932 in Dresden, lebt und arbeitet in Köln) ist gleichzeitig der bestbezahlte Gegenwartskünstler Deutschlands und sein eigener schärfster Kritiker. Dass seine Werke in Auktionshäusern Millionenpreise erzielen, ist dem zurückhaltenden und medienscheuen Künstler unverständlich.

„Abstraktes Bild“ aus dem Jahr 1988 ist beispielhaft für die großformatigen Farbexplosionen Richters, die in der internationalen Kunstszene einen fast schon ikonischen Status erlangten: Borkig reißt hier die Malmaterie auf und lässt Darunterliegendes durchschimmern. Lichtes Grau legt sich in Flocken über Gelb und Grün, das sich im unteren Teil des Bildes nach vorne schiebt, rote und blaue Akzente blitzen an den Bildrändern durch, einzelne Partien leuchten in Neontönen auf. Je länger man das Bild betrachtet, desto unklarer wird, welche Farbe dominiert. Was ist im Hintergrund? Was drängt sich nach vorn? Dem Betrachter wird es unmöglich sein zu sagen, welche die erste Farbschicht und welche die zuletzt Aufgetragene war. Im Wahrnehmungsprozess dieser unendlichen Ebenen tauchen selbst gegenständliche Assoziationen – wie schemenhafte Landschaften – für einen flüchtigen Moment auf, bevor sie wieder verfliegen.

Farbe spielt hierbei die zentrale Rolle, jedoch auf zwei ganz unterschiedliche Weisen – nämlich sowohl visuell (‚color‘), als auch materiell (‚paint‘). Mit riesigen Rakeln verteilt Richter in vertikaler, mal in horizontaler Richtung die aufgetragene Farbe auf der Leinwand, kratzt sie wieder weg (eines der technischen Verfahren der sogenannten ‚Décollage‘) und schafft neue Strukturen und Ebenen. Mit diesem sich immer wiederholenden Prozess, entsteht Schicht um Schicht ein komplexes und faszinierendes Farbenspiel. Der Zufall spielt dabei eine entscheidende Rolle innerhalb des Schaffensprozesses, wie der Maler selbst zugibt. Oftmals widersprächen die Endfassungen seiner Arbeiten den anfänglichen Absichten.

Wer das Gesamtwerk Gerhard Richters kennt, weiß, dass sich der Künstler nicht nur auf den Bereich der (gegenstandslosen) Malerei beschränkt. Wie kaum ein anderer entzieht er sich durch den stetigen Wechsel und Wandel der Stile, Methoden und Ausdrucksmittel der Malerei jeder Einordnung, doch eben diese Diskontinuität wurde zu seinem Markenzeichen. Letzten Endes sind es seine „Abstrakten Bilder“, die zu seinem internationalen und kommerziellen Erfolg führten. Durch die mediale Aufmerksamkeit, die diesen Werken in der Vergangenheit zukam, werden sie vielerorts nur noch als Prestigeobjekte wahrgenommen. Dahinter gehen die eigentlichen Absichten des Künstlers oftmals verloren: Richters Kunst ist immer wieder aufs Neue die experimentelle Auseinandersetzung mit der Wirklichkeitsdarstellung, die Hinterfragung der durch verschiedenste malerische Medien inszenierten Realität.

„Abstraktes Bild“, das bereits 1994 durch den Ankauf der Freunde der Kunsthalle e.V. dem Sammlungsbestand hinzugefügt wurde, ist mehr als nur ein Statussymbol. Es ist in erster Linie eine passende Ergänzung für den Bereich der Gegenwartskunst, sowie eine interessante Erweiterung um eine zusätzliche Einzelposition innerhalb der abstrakten Malerei. Außergewöhnliche Positionen, wie jene von Richter, tauchen zwar nur vereinzelt im Sammlungsbestand auf, bringen sich jedoch immer wieder harmonisch in das Gesamtgefüge ein.

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