Otto van de Loo

Otto van de Loo machte im Jahr 1997 eine großzügige Schenkung von rund 200 Werken von Künstlern des Informel, der Gruppen CoBrA und Spur sowie herausragender Einzelgänger aus den expressiv-figurativen Strömungen des 20. Jahrhunderts an die Kunsthalle Emden. Damit gab er den entscheidenden Anstoß zur umfangreichen baulichen Erweiterung der Kunsthalle (Eröffnung im Jahr 2000).
Der legendäre Galerist und Kunstförderer hatte das Ehepaar Nannen Anfang der 90er Jahre kennen gelernt. Die leidenschaftlichen Kunstliebhaber fanden in ihrem idealistischen Einsatz für die Kultur viele Gemeinsamkeiten. Der 1924 in Witten an der Ruhr geborene van de Loo eröffnete 1957 eine Galerie für avantgardistische Kunst in München. Er vertrat nicht nur das deutsche Informel sondern auch aktuelle internationale Strömungen, zu damaliger Zeit eine Seltenheit. Binnen kurzer Zeit machte sich Otto van de Loo mit seinem Programm und seiner kritischen Haltung einen Namen als eigenwilliger, mutiger und kämpferischer Galerist. Schon 1963 wurde er als einziger deutscher Vertreter zum „Premier Salon international de Galeries Pilotes“ nach Lausanne eingeladen. Zu den von ihm vertretenen Künstlern gehörten früh beispielsweise Henri Michaux, Antoni Tàpies und Antonio Saura sowie vor allem der Däne Asger Jorn, mit dem ihn eine lebenslange intensive Freundschaft verband. Herausragende Werke der Galerie-Künstler erwarb van de Loo für seine private Sammlung. Die Schenkung van de Loo bildet somit eine willkommene Ergänzung und Fortführung der Sammlung Nannen mit ihrem Schwerpunkt des deutschen Expressionismus in die Jahrzehnte nach 1945.

Eine weitere Parallele zu den Intentionen des Ehepaars Nannens war das Anliegen Otto van de Loos, Kindern und Jugendlichen eine Möglichkeit zu geben, sich unter Anleitung von Künstlern selbst gestalterisch tätig zu, um ihre schöpferischen Fähigkeiten zu wecken und zu stärken. Bereits 1970 widmete er ein Teil seines Galeriehauses dem berühmt gewordenen „Kinderforum“. 1997 schloss die Galerie Otto van de Loo nach 40 Jahren und mehr als 250 Ausstellungen. Seit 1998 betreibt seine Tochter Marie-José van de Loo eine Galerie unter eigenem Namen, in der sie das Programm um jüngere Positionen erweitert.

Neben der Schenkung an die Kunsthalle Emden hat Otto van de Loo in den 90er Jahren Teile seiner Sammlung an verschiedene Museen übergeben, so etwa 55 bedeutende Werke an die Berliner Nationalgalerie 1992. In den Folgejahren schlossen sich mehrfache Ehrungen an. 1999 würdigte der ArtCologne-Preis sein verdienstvolles Lebenswerk als Galerist und Kunstvermittler.

Vita

geboren: 9. März 1924
Ort: Witten (Ruhr)
verstorben: 19. April 2015
Ort: München