Neue Sachlichkeit

Die Neue Sachlichkeit und die Kunst der 1920er Jahre

Eine stilistische und inhaltliche Zäsur markierte der Erste Weltkrieg: Auffallend für die Kunst, die nach 1918 entstand, ist die Rückbesinnung auf den klar definierten Gegenstand und die Rückkehr zur klassisch orientierten Komposition.
Im Deutschland der Weimarer Republik wird die Bewegung unter dem Begriff „Neue Sachlichkeit“ subsummiert. Bindeglied ist die durch erschütternde Kriegserlebnisse ernüchterte und unverklärte Weltsicht einer am Krieg oftmals freiwillig beteiligten Künstlergeneration, die sich durch eine möglichst sachliche Wiedergabe der Wirklichkeit darstellt. Das beinahe alle Künstler einigende Thema ist eine teils beißend scharfe Kritik an den durch die Folgen des Ersten Weltkriegs bedingten katastrophalen gesellschaftlichen Verhältnissen: Hunger, Armut, Kriminalität, politische Repressalien. Dabei reicht das breit gefächerte stilistische Spektrum an Ausdrucksmöglichkeiten von klassizistischen bis hin zu realistischen und veristischen Darstellungen, die hemmungslos und brutal, unverschleiert oder gar beschönigend der Gesellschaft den Spiegel vor Augen halten.

Während Karl Hofer, Ludwig Katz und vor allem Alexander Kanoldt eine nüchtern-unterkühlte oder eine zeitlos-idyllische in die Klassik gehende Formen- und Bildstruktur schufen, analysierten in Berlin arbeitende Künstler wie Otto Dix, Gorges Grosz, Karl Hubbuch, aber auch Otto Gleichmann und Paul Kleinschmidt mittels der Darstellung des Menschen die nun herrschenden sozialen (Miss-)Verhältnisse oder klagten diese an wie Käthe Kollwitz.

Eine ebenfalls beunruhigende, aber gänzlich andere Kunstform mit surrealistischen Anklängen repräsentieren die Maler des sogenannten „Magischen Realismus“, der durch Franz Radziwill vertreten wird.

Zu eigenständigen Sonderformen innerhalb der „Neuen Sachlichkeit“ fanden zwischen den beiden Weltkriegen Max Beckmann und Josef Scharl. Auch ihre Werke spiegeln eine brüchig gewordene und von Konflikten durchzogene Welt. Während Beckmann einen als expressiven Realismus zu bezeichnenden Stil entwickelte, besann sich Scharl zurück auf die einstmals aufkeimende Moderne am Ende des 19. Jahrhunderts, etwa auf Vincent van Gogh.