Maxim Kantor: Das neue Bestiarium

4.2. - 7.5.2017

Henri Nannen kommt das Verdienst zu, den revolutionären politischen und gesellschaftlichen Aufbruch in der Sowjetunion Ende der 80er Jahre mit seiner großen Ausstellung “Glasnost und Perestrojka. Die neue Freiheit der sowjetischen Maler” für den Bereich der bildenden Kunst in eindrucksvoller Weise dokumentiert zu haben. Im Zuge der Vorbereitungen lud Nannen 1987 den damals unbekannten jungen Maxim Kantor erstmals nach Emden ein. Inzwischen befinden sich in der Sammlung der Kunsthalle viele Werke des heute international anerkannten Künstlers. Diese Ausstellung anlässlich von Kantors 60. Geburtstags konzentriert sich auf neuere Arbeiten, die sich mit der Rückkehr von Monstern und anderen mythischen Gestalten in unsere heutige Zeit, respektive dem Rückschritt der Gesellschaft in eine mittelalterliche Finsternis befassen. Der Drache verkörpert  als zentrale Figur die Aktualität des Bösen und der (politischen) Gewalt in der gegenwärtigen Gesellschaft. Er ist umgeben von weiteren düsteren Gestalten der mittelalterlichen Bildwelt, wie zum Beispiel Fledermäusen, Eulen und Hexen. Doch auch Ritter und Heilige treten in Erscheinung, die den finsteren Kreaturen zu trotzen scheinen. Die Gemälde werden durch einige Marionetten aus demselben Zyklus und Landschaftsgemälde ergänzt, die den Akteuren der Handlung in Kantors Werken das Topos der Natur gegenüberstellen. In den schwarz-weißen Lithografien der Serie The Ballads of Robin Hood setzt sich das mittelalterliche Thema fort.

Der Künstler Maxim Kantor wurde 1957 in Moskau geboren. Im Jahr 1983 war er Mitbegründer einer unabhängigen Künstlergruppe, die später unter dem Namen „Krasny Dom“ (Das rote Haus) bekannt wurde. Die Gruppe zeigte einige inoffizielle Eintages-Ausstellungen und Kantor nahm an verbotenen Ausstellungen des russischen Untergrunds teil. Maxim Kantor ist nicht nur als bildender Künstler, sondern auch als Autor von Büchern und Theaterstücken, Essayist und Kunsthistoriker tätig. Er betrachtet sich als Schüler seines Vaters, des Philosophen Karl Kantor. 2015 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft und lebt in Berlin, Oxford und auf der Île de Ré. Maxim Kantor arbeitet international, vorwiegend in Deutschland, England, Frankreich und Russland.

Zur Ausstellung ist ein umfangreicher Katalog erschienen: 192 Seiten, 95 farbige Abbildungen, Hardcover, Preis an der Museumskasse 25 €. Hier geht es zu den Presseinformationen.