Kunst, die unter die Haut ging

24.-26.08.2012

Große Resonanz auf das Tätowier-Projekt in der Kunsthalle Emden
Ein echter “Presserummel”, viele Anfragen von Interessenten, ausgebuchte Termine, Anrufe und Briefe: wohl selten hat ein Kunstvermittlungsprojekt so viel Aufmerksamkeit bekommen und für Diskussionen gesorgt. Dabei geht die Kunsthalle Emden mit dem Projekt „ink explosion. Kunst, die unter die Haut geht“ nicht zum ersten Mal neue Wege. Doch vor allem zwischen eher jüngeren und eher älteren Generationen schieden sich die Geister über die dauerhafte Körpergestaltung. Dabei ging für die Kunsthalle nicht um das Tätowieren an sich, dieses uralte Kunsthandwerk war diesmal die Brücke zur heutigen Alltagskultur. Vielmehr sollte mit einem aktuellen, frischen Blick die vermeintlich altbekannte Kunst neu betrachtet werden: welches Motiv mache ich auf dem Bild aus, wie gefällt es mir, würde ich es gern immer bei mir tragen? Das erfordert ganz genaues, intensives Hinsehen.

Die international tätowierte Berliner Tattoo-Künstlerin Zoe Thorne (44) hat am Wochenende von Freitag, 24. August, bis Sonntag, 26. August 2012 in der Kunsthalle 9 Museumsbesucher . Als Motiv-Vorlagen konnten sich die Besucher Kunstwerke aus einer eigens für das Projekt zusammengestellten Kabinett-Ausstellung auswählen. Alle Termine waren schließlich ausgebucht. Die Teilnehmer mussten dafür über 18 Jahre alt sein und die branchenüblichen Regularien beachten. Sie zahlten für die Tätowierung je nach Motiv und nach Absprache mit Zoe Thorne die üblichen Honorare.

Die Aktion wandte sich besonders an junge Erwachsene. Für sie sind Tätowierungen Teil ihrer Alltagskultur zwischen Ästhetik und Pop. Das Tattoo-Projekt dient als Anreiz für den Gang ins Museum und ermöglicht einen neuen Blick auf Kunst. Es interpretiert eine bekannte Aussage des Museumsgründers Henri Nannen auf zeitgenössische und kontroverse Weise: „Ich habe immer nur gesammelt, was Lust in mir geweckt hat – oder was mich bis unter die Haut schmerzte – was mich freute, aber auch wütend machte“.

„Wenn Besucher sich für eine Tätowierung nach einem Kunstwerk entscheiden, werden sie durch diese Körpermodifikation untrennbar mit dem Werk und gewissermaßen auch mit der Kunsthalle verbunden“, erklärt Claudia Ohmert, Ideengeberin und Leiterin der Abteilung Museumspädagogik. „Wer die ‚Blauen Fohlen‘ schon immer als Tattoo auf dem Arm oder am Fußgelenk haben wollte, kann sich diese Ikone der Kunsthalle jetzt tätowieren lassen“. – „Das ist dann wahre Liebe, die tut eben auch ein bisschen weh“, sagt Kunsthallen-Sprecherin Ilka Erdwiens. „Viele Tätowierungen haben mit intensiven persönlichen Gefühlen zu tun oder waren spontane Eingebungen. Wer weiß, vielleicht hält die Liebe zur Kunst ja sogar länger?“