Informel

Informelle Malerei in Deutschland

Der künstlerische Werdegang des 1914 geborenen Karl Otto Götz ist charakteristisch für viele deutsche Künstler seiner Generation. Der Maler, dessen Frühwerk unter dem Einfluss von Künstlern wie Pablo Picasso und Wassily Kandinsky sowie den Surrealisten stand, erhielt 1935 Mal- und Ausstellungsverbot. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs haben Künstler insbesondere in Europa und den USA versucht, die Malerei zu erneuern, indem sie diese zum alleinigen Inhalt werden ließen. Im Zentrum stand dabei die Farbe, die, aus einem reinen Darstellungswert befreit, autonomen Status erlangte und nun erstmals als selbständiges Material wahrgenommen wurde und so selbst Form schaffen konnte.

In den frühen 1950er-Jahren fand Götz zu einer kontrollierten gestischen Malerei. Dem Betrachter erschließt sich ein dynamischer Prozess, bei dem weiche und kantige, breite und sich in dünnen Schlieren verlierende Farbflächen mal dicht, mal lasierend aufeinander treffen. Das Bild entsteht so jenseits von herkömmlicher Raum- und Gegenstandsvorstellung rein aus dem Zusammenklang von Negativ- und Positivformen, aus der Ambivalenz von Farbe und Grund: »Wir wollten nicht nur die Formelemente auflösen, sondern die Zwischenräume zwischen den Formelementen so integrieren, dass alles sich vorne im Bild abspielt, auch die Positiv-Negativ-Wirkungen zwischen hellen und dunklen Partien.« (Karl Otto Götz: Erinnerungen und Werk, Düsseldorf 1980, Bd. I a, S. 487.)

Auch Emil Schumacher wandte sich nach einem gegenständlichen Frühwerk in den 1950er Jahren der Abstraktion zu. Im Zentrum seiner Kunst stehen der Malprozess und die Materialität des Bildes. Um die für seine Werke charakteristische körnige und dickflüssige Konsistenz zu erzielen, stellte Schumacher seine Farben aus Pigmenten und Bindemittel selbst her. Beim Trocknen erstarren sie zu einer schrundigen Masse, die die Spuren der Bearbeitung deutlich hervortreten lässt. So zentral die expressive Gestik und die Materialbetonung in Schumachers künstlerischem Schaffen sind, suchte er in seiner Malerei stets nach bildnerischen Entsprechungen zu Gesehenem und Erlebtem. Diese Herangehensweise unterscheidet Schumacher, aber zum Beispiel auch K.R.H. Sonderborg oder Hans Platschek von Künstlern wie K. O. Götz oder Ernst Wilhelm Nay, die Bezüge zur sichtbaren Realität strikt ablehnten.

Antoni Tàpies

Antoni Tàpies gilt als einer der bedeutendsten Künstler Spaniens und neben Antonio Saura als einer der Hauptvertreter des Informel in Europa. Das Werk des Katalanen (1932 – 2010) zeichnet sich formal vor allem durch seinen unkonventionellen Umgang mit künstlerischen Techniken und Materialien aus. Seine Bilder entziehen sich einer eindeutigen Interpretation. Sie fordern die Bereitschaft des Betrachters, in seinem eigenen Inneren Gedanken und Gefühle zu assoziieren. Geprägt von seinen Erfahrungen des spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur, stand er der reinen Abstraktion jedoch misstrauisch gegenüber. Mit angedeuteten gegenständlichen Bezügen stellte er sich gezielt gegen eine Malerei, der er unterstellte, sich vor einer möglicherweise riskanten Auseinandersetzung um Bildinhalte in die Abstraktion zu flüchten. Seine Bilder lassen zwar nicht unbedingt konkrete historische oder politische Referenzen erkennen, stehen aber dennoch für die Verteidigung der Freiheit der Kunst, Inhalte auszudrücken.