Großzügige Schenkung für die Kunsthalle

24.11.2010

Sammlerin Dr. Annette THormann brachte gemeinsam mit ihrem Mann Manfred das umfangreiche Werk persönlich nach Emden. Das Ehepaar aus der Nähe von Hannover besitzt seit Jahren ein Ferienhaus in Ostfriesland und hatte Werke von Maxim Kantor in einer Ausstellung der Kunsthalle Emden entdeckt. Nachdem sie später in Hannover erste Bilder angekauft hatten, entwickelte sich ein enger persönlicher Kontakt zu dem Künstler, der heute in Moskau und Berlin lebt und regelmäßig auch in Emden zu Gast ist.

Das Paar war so überzeugt von der künstlerischen Arbeit Kantors, dass sie ihm mit großzügiger mäzenatischer Unterstützung die Produktion einer umfangreichen Mappen-Trilogie ermöglichten. Die erste Mappe “Ödland” mit einem Wert von 40.000 Euro übergaben die beiden Kunstfreunde der Kunsthalle bereits vor zwei Jahren. Die jetzt zugestiftete zweite Mappe “Metropolis” umfasst 70 Farbradierungen und Farblithographien auf Büttenpapier und wurde in einer Auflage von 75 Exemplaren von einer renommierten Kunst-Druckerei in London hergestellt. Kantor hat dieses Werk in der Zeit zwischen 2000 und 2005 geschaffen und lange Zeit vor Ort in London mit den Druckern zusammen gearbeitet. Die dritte Mappe wird “Volcano” heißen.

“Die Qualität ist einfach exzellent und wahre Handwerkskunst, wie sie nur wenige Drucker beherrschen. Kantor hat für ihn typische Motive und Themen neu aufgenommen und weiter entwickelt. Er verknüpft sein Thema, das Welten-Theater, zunehmend nicht nur mit biographischen Aspekten, sondern auch mit Politik, Geschichte und Entwicklungen in der russischen Gesellschaft. Seine intensive Auseinandersetzung hat auch dazu geführt, dass Kantor immer öfter als Autor arbeitet. Wir sind Thormanns sehr dankbar, dass sie uns nun diese zweite großartige Mappe geschenkt haben”, sagt Dr. Katharina Henkel, wissenschaftliche Leiterin der Kunsthalle, bei der Durchsicht. “Das ist eine große Bereicherung für unseren umfangreichen Kantor-Bestand.”

Großzügig war das Ehepaar Thormann übrigens gleich in zweifacher Hinsicht: angesichts der frühen Uhrzeit hatten sie auch an das leibliche Wohl gedacht und für das Team zum zweiten Frühstück einen Picknick-Korb mit Ziegenkäse, frischem Brot und selbstgemachter Marmelade mitgebracht.

Kunsthallen-Stifter Henri Nannen hatte 1988/89 den damals völlig unbekannten jungen Moskauer Künstler Maxim Kantor im Rahmen der “Glasnost”-Kunst-Ausstellung erstmals im Westen präsentiert. Kantors kritische Haltung hatte bis dahin seine Karriere behindert, die sich nun nicht mehr aufhalten ließ. Besonders bekannte Werke in der Kunsthalle sind u.a. das Gemälde “Kreuzworträtsel”, das Dissidenten in einer Irrenanstalt zeigt, oder die großformatige “Kolonne”, eine gleichförmige Menschenmenge auf einem langen Marsch.

Die Kunsthalle wird diese und weitere Gemälde Kantors im Sommer 2011 in einer Ausstellung mit Werken russischer Avantgarde-Künstlern der “Glasnost”- und Perestrojka-Zeit Ende der 80er Jahre präsentieren (ab 30.07.2011).