Expressionismus

Norddeutscher Expressionismus

In der Künstlerkolonie Worpswede lebte Otto Modersohn mit seiner Frau Paula Modersohn-Becker. Deren frühe Arbeiten weisen zunächst noch impressionistische Einflüsse auf, außerdem deuten die warmtonigen, erdigen Farben und Motive ihrer Bilder auf die dörfliche Idylle hin. Bald löste sie sich jedoch von dieser stimmungsgeprägten Malerei. Nun verweisen Monumentalität und Strenge in Komposition und Form auf ihren Parisaufenthalt um 1900 und zeugen von einer intensiven Auseinandersetzung mit den Werken von Paul Gauguin oder Paul Cézanne.

Erst im Alter von 52 Jahren beginnt die zweite künstlerische Karriere von Christian Rohlfs: Durch Emil Nolde ermutigt, wandte sich der Maler vom Impressionismus ab und verstärkt dem Expressionismus zu. Sein aus dieser Inspirationsquelle heraus entwickelter Stil zeugt ab 1910 von einer Vorliebe für leuchtend kräftige Farbkompositionen sowie Kontraste, die seine Arbeiten vibrieren lassen.

Auch Emil Nolde, geboren im heutigen Dänemark, vertritt eine individuelle Spielart des Expressionismus und gilt dennoch als einer seiner Hauptrepräsentanten. Wie andere Expressionisten nach ihm, zielte er mit seiner Kunst darauf ab, dem Wesen der Menschen, der Dinge wie der Natur unmittelbaren Ausdruck zu verleihen.

„Die Brücke“

Im Freundschaftsbund mit Gleichgesinnten versuchten Künstler wie Ernst Ludwig Kirchner, Erich Heckel, Karl Schmidt-Rottluff, Max Hermann Pechstein, Otto Mueller und kurzzeitig auch Emil Nolde die durch den Wilhelminismus geprägten bürgerlichen Konventionen zu sprengen, den herrschenden Kunstgeschmack zu überwinden und zu brechen. Kunstreform und Lebensreform sind bei den Künstlern, die sich 1905 zur Künstlergemeinschaft „Die Brücke“ zusammenschlossen, kaum zu trennen. Das Programm zielte jedoch weniger auf ein bestimmtes oder gar vorgegebenes Kunstideal als auf den revolutionären Aufbruch und die Lebensfreiheit der künstlerischen Jugend.
Auf den charakteristischen Stil der „Brücke“, der bestimmt war durch Spontaneität, gesteigerte Farbigkeit und Flächigkeit, nahm insbesondere die Kunst von Schnitzarbeiten aus Afrika oder der Südsee Einfluss, die die Künstler aus ethnographischen Sammlungen kannten.

Die Künstlergemeinschaft „Der Blaue Reiter“ und seine Freunde

1911 gründeten Wassily Kandinsky und Franz Marc in München die zweite bedeutende deutsche Künstlergruppe: den „Blauen Reiter“. Zu dessen geistigem Dunstkreis zählten Alexej von Jawlensky, Gabriele Münter, Marianne von Werefkin oder auch August Macke. Von Anfang an verstand sich der „Blaue Reiter“ jedoch als eine lose Gemeinschaft Kunstschaffender, deren Zusammenschluss keine Zwänge oder gar Kunstrichtung vorgeben wollte.
Vergleichbar mit der „Brücke“ suchten aber auch die Künstler des „Blauen Reiter“ nach innovativen künstlerischen Ansätzen, um eine Lösung für die Darstellung des Ursprünglichen und Wesentlichen zu finden. Ihr Herangehen war jedoch intellektueller Natur, ihren Thesen lagen kunsttheoretische Überlegungen zugrunde und ihr Kunstbegriff war universeller ausgelegt. Aus diesem Anspruch und Kunstwollen heraus gelang es ihnen, eine abstrahierende und schließlich ungegenständliche Bildsprache zu entwickeln.