Nikolai Astrup: Norwegen. Eine Entdeckung

ab 2. Oktober 2016

Am 2. Oktober eröffnete Gerhard Schröder, Bundeskanzler a.D., die Ausstellung “Nikolai Astrup: Norwegen” (2.10.2016 – 22.01.2017). Sie ist der Höhepunkt im diesjährigen Ausstellungsprogramm und zugleich die Jubiläumsausstellung aus Anlass des 30jährigen Bestehens der Kunsthalle. Die Kunsthalle Emden ist dritte, letzte und einzige deutsche Station der internationalen Ausstellungstournee. Diese erste Ausstellung Astrups in Deutschland  ist zugleich Teil des nordwestdeutschen Kulturthemenjahres „Land der Entdeckungen 2016“.

In seinem Heimatland Norwegen zählt Nikolai Astrup (1880 – 1928) zu den bekanntesten und beliebtesten Künstlern. Er gilt aufgrund seiner Motive als der „norwegischste Maler“: seine romantischen Gemälde und Druckgrafiken der wilden und beeindruckenden Natur sowie des traditionellen Lebens West-Norwegens haben das Bild dieses Landes und seiner Einwohner entscheidend geprägt. Bedeutende Werke befinden sich im Nationalmuseum in Oslo, vielen norwegischen Museen und zahlreichen privaten Sammlungen. Umso erstaunlicher, dass der der herausragende Zeitgenosse Edvard Munchs außerhalb Skandinaviens bislang vor allem Experten bekannt ist.

Die internationale Ausstellungstournee stellt diesen einfallsreichen und außergewöhnlichen Künstler nun einem breiten Publikum außerhalb Norwegens vor. Am 5. Februar 2016 eröffnete die norwegische Königin Sonja die Ausstellungs-Tournee in der Dulwich Picture Gallery (05.02. – 15.05.2016) , London, danach folgte das Henie Onstad Kunstsenter, Oslo (10.06. – 11.09.2016), bis sie im Herbst nach Emden kommt.

Nikolai Astrup wurde durch seine ausdrucksvolle Malerei und seine innovative Druckgrafik zu einem der bekanntesten norwegischen Künstler des 20. Jahrhunderts. Wie sein Landsmann Edvard Munch erweiterte er die Möglichkeiten des Holzschnitts und verwischte bewusst die Grenze zwischen Druckgrafik und Gemälde, um die »inneren Bilder« darzustellen, die seiner Kreativität zugrunde lagen. Diese entsprangen hauptsächlich Erinnerungen seiner Kindheit und fangen mittels der eindrucksvollen Landschaft und der traditionellen Lebensweise in seiner Heimat in Westnorwegen vor allem die emotionale Erfahrung bestimmter Augenblicke ein.

Am bekanntesten sind Astrups Gemälde norwegischer Sommernächte, insbesondere die der berühmten Mittsommernachtsfeuer. In seinen Landschaften beschwor er sowohl die für seine Heimat Jølster typische Atmosphäre als auch die Stimmungen im Wechsel der Jahreszeiten. Hier verbrachte er fast sein ganzes Leben, zuerst in der Pfarrei seines Vaters und dann auf dem Hof, den er am gegenüberliegenden Seeufer errichtete, dem heutigen Astruptunet, wo er mit seiner Frau und der wachsenden Familie seit 1913 bis zu seinem frühen Tod 1928 wohnte. Nach 1920 wurden der Hof, dessen Garten und die umliegende Landschaft zu den Hauptmotiven seiner Kunst.

Astrup wurde von dem Wunsch getrieben, einen »Nationalstil« zu erschaffen, der in Stimmung und Motiv rein norwegisch war, indem er Stilelemente des Realismus und der naiven Malerei miteinander verband. Seine charakteristische Bildsprache beinhaltet außerdem Aspekte der norwegischen Folklore – von Getreidegarben, die an eine Armee Trolle erinnern, bis hin zu mythischen Wesen, die schneebedeckten Bergen entspringen.

Mit über 100 Ölgemälden und großformatigen Holzschnitten stellt diese Ausstellung Nikolai Astrups einzigartiges und außergewöhnliches Werk in Deutschland erstmals vor..

Die Ausstellungstournee wird großzügig gefördert von der norwegischen Sparkassenstiftung DNB. Weiterer Hauptpartner der Ausstellung in Emden ist die Firma Gassco AS, Zweitniederlassung Deutschland. Der umfangreiche Katalog liegt in englischer, norwegischer und deutscher Sprache vor.

Kuratoren:
Frances Carey, früher Head of National Programmes und Deputy Keeper of Prints and Drawings am British Museum, ist freie Kuratorin und Beraterin.
Ian A.C. Dejardin ist Sackler Director an der Dulwich Picture Gallery, London.
MaryAnne Stevens, früher Director of Academic Affairs at the Royal Academy of Arts in London, ist freie Kunsthistorikerin, Kuratorin und Beraterin.

Pressestimmen
zum Start der Ausstellungstournee “Painting Norway. Nikolai Astrup (1880 – 1929) – Nikolai Astrup: Norwegen. Eine Entdeckung” in der Dulwich Picture Gallery in London:

“Magical in every sense”  -  The Telegraph
“He should be as famous as Edvard Munch, but the world seems to have forgotten him – until now” –  The Guardian
“The Norwegian artist you’ve never heard of but will never forget” –  The Guardian
“Delightfully fresh and vivid”  -  The Times
“One of Norway’s most popular and important artists” –  Time Out

Abbildung: Nikolai Astrup, By The Open Door, Before 1911, Oil on canvas, 87 x 110 cm, Private Collection. Photo © Anders Bergersen

ZUSÄTZLICH

Kati Gausmann: nordlicht

In Andenes am 69. Breitengrad geht die Sonne von Mitte Mai bis Mitte Juli nicht unter. Dort hat Kati Gausmann über einen bestimmten Zeitraum die Schattenkonturen unterschiedlicher Objekte auf Papier festgehalten. Je nach Sonnenstand veränderte sich deren Schattenform und Umrisslinien überlagerten sich: Es entstanden zarte Gebilde und Geflechte aus Verdichtungen und Leerräumen.

Die intensive Auseinandersetzung mit dem Licht des norwegischen Mittsommers knüpft – wenn auch als deutlicher Gegenpol – an Nikolai Astrup an, Gausmanns Arbeiten verweisen mit ihrem konzeptionellen Ansatz jedoch deutlich auf die Gegenwart. Mehr Infos hier auf der Website von Kati Gausmann.

Skandinavische Künstler aus der Sammlung

In der Sammlung der Kunsthalle Emden befinden sich zahlreiche Werke skandinavischer Künstler, die während der Astrup-Ausstellung im Obergeschoss präsentiert werden: beispielsweise Asger Jorn, Carl-Henning Pedersen, Per Kirkeby oder Fotografen der Helsinki-School.