Informel
Informelle Malerei in Deutschland
Der künstlerische Werdegang des 1914 geborenen Karl Otto Götz ist charakteristisch für viele deutsche Künstler seiner Generation. Der Maler, dessen Frühwerk unter dem Einfluss von Künstlern wie Pablo Picasso und Wassily Kandinsky sowie den Surrealisten stand, erhielt 1935 Mal- und Ausstellungsverbot. Mit dem Ende des Zweiten Weltkriegs drängten sowohl in den USA als auch in Europa verschiedene Strömungen abstrakter Malerei in den Vordergrund des aktuellen Kunstgeschehens. Von der Darstellung der sichtbaren Welt wandte man sich dem Ausdruck seelischer Zustände zu. Durch einen möglichst schnellen und spontanen, automatisierten Malakt sollte das Unterbewusste auf die Leinwand gebracht werden. Neben der Suche nach ganz neuen künstlerischen Ausdrucksformen mag aber gerade in Deutschland auch die radikale Fortführung und Weiterentwicklung früherer abstrakter Tendenzen, also der von den Nationalsozialisten abgelehnten Tradition der Klassischen Moderne eine Rolle gespielt haben.
Auch Emil Schumacher wandte sich nach einem gegenständlichen Frühwerk in den 1950er Jahren der Abstraktion zu. Im Zentrum seiner Kunst stehen der Malprozess und die Materialität des Bildes. Um die für seine Werke charakteristische körnige und dickflüssige Konsistenz zu erzielen, stellte Schumacher seine Farben aus Pigmenten und Bindemittel selbst her. Beim Trocknen erstarren sie zu einer schrundigen Masse, die die Spuren der Bearbeitung deutlich hervortreten lässt. So zentral die expressive Gestik und die Materialbetonung in Schumachers künstlerischem Schaffen sind, suchte er in seiner Malerei stets nach bildnerischen Entsprechungen zu Gesehenem und Erlebtem. Diese Herangehensweise unterscheidet Schumacher, aber zum Beispiel auch K.R.H. Sonderborg oder Hans Platschek von Künstlern wie K. O. Götz oder Ernst Wilhelm Nay, die Bezüge zur sichtbaren Realität strikt ablehnten.
Antoni Tàpies
Antoni Tàpies gilt als der bedeutendste lebende Künstler Spaniens und neben Antonio Saura als einer der Hauptvertreter des Informel in Europa. Das Werk des 1923 geborenen Katalanen zeichnet sich formal vor allem durch seinen unkonventionellen Umgang mit künstlerischen Techniken und Materialien aus. Seine Bilder entziehen sich einer eindeutigen Interpretation. Sie fordern die Bereitschaft des Betrachters, in seinem eigenen Inneren Gedanken und Gefühle zu assoziieren. Geprägt von seinen Erfahrungen des spanischen Bürgerkriegs und der Franco-Diktatur, stand er der reinen Abstraktion jedoch misstrauisch gegenüber. Mit angedeuteten gegenständlichen Bezügen stellte er sich gezielt gegen eine Malerei, der er unterstellte, sich vor einer möglicherweise riskanten Auseinandersetzung um Bildinhalte in die Abstraktion zu flüchten. Seine Bilder lassen zwar nicht unbedingt konkrete historische oder politische Referenzen erkennen, stehen aber dennoch für die Verteidigung der Freiheit der Kunst, Inhalte auszudrücken.




